Skater auf einer Treppe
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Birte Brinkmann
Dipl. Sozialpädagogin (BA)
M.A. Organisationsentwicklung -Leitung und Beratung

Daniel Wittinger
Freiberuflicher Kinder- und Jugendhilfefachberater (hauptsächlich für den Jugendhaus Leonberg e.V.)
M.A. Politikwissenschaft/Empirische Kulturwissenschaft
Mediator

Inhalt

  1. 1. Eine Skizze der sozialräumlichen Situation in Leonberg
    1. 1.1 Zwei Orte und ihre neue Stadtmitte
    2. 1.2 Trägervielfalt in der Kinder- und Jugendarbeit / Jugendsozialarbeit Leonberg
  2. 2. Pädagogische Arbeitsansätze und Methoden im Arbeitsfeld „Leo-Center"
    1. 2.1 Aufsuchende Jugendarbeit
    2. 2.2 Spielpädagogik
    3. 2.3 Erlebnispädagogik
  3. 3. Zwischen Kunde und Störenfried - zur Ambivalenz eines Sozialraums
    1. 3.1 „Wir sind das größte Jugendhaus in Leonberg!"
  4. 4. Praxisbeispiele: Pädagogische Arbeit im Sozialraum „Leocenter"
    1. 4.1 Baustein I - Indoor Streetwork
    2. 4.2 Baustein II - Leo Action - das regelmäßige Spielangebot
    3. 4.3 Baustein III - Erlebnisraum Leo-Center - Aktionen und Projekte
  5. 5. Anforderungen für zukünftige Projekte


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Buchcover

Claudia Muche, Andreas Oehme, Inga Truschkat: Übergang, Inclusiveness, Region. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. 280 Seiten. ISBN 978-3-7799-1938-4.
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Michael Noack (Hrsg.): Empirie der Sozialraum­­orientierung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. 335 Seiten. ISBN 978-3-7799-3412-7.
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weitere Rezensionen zum Thema Sozialraum

Der Sozialraum „Einkaufszentrum“ als pädagogisches Arbeitsfeld: „Wir sind das größte Jugendhaus in Leonberg!“

Birte Brinkmann, Daniel Wittinger

1. Eine Skizze der sozialräumlichen Situation in Leonberg

Die altwürttembergische Stadt Leonberg liegt südwestlich von Stuttgart im Landkreis Böblingen. Als Mittelzentrum mit guter Verkehrsanbindung an die Landeshauptstadt und an die Autobahnkreuze Stuttgart und Leonberg ist es ein attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort. Mit rund 45.000 Einwohnern zählt Leonberg zu den größten Städten im Großraum Stuttgart. Zu Leonberg gehören neben der Kernstadt die eingemeindeten, aber baulich getrennten Ortsteile Höfingen, Warmbronn und Gebersheim.

1.1 Zwei Orte und ihre neue Stadtmitte

Die heutige Kernstadt Leonberg besteht aus den ehemals zwei eigenständigen Ortschaften - Leonberg und Eltingen, wobei letzterer 1938 eingemeindet wurde. Um die beiden dörflich geprägten Orte zu einer Einheit zu verbinden, entstand mehr als 30 Jahre später zwischen den beiden ehemaligen Zentren die neue Stadtmitte. Eine urbane Wohnbebauung im Stil der 70er Jahre: zwei markante und das Stadtbild dominierende Hochhausblöcke - das Leo 1 und 2, ein reizvoller Stadtpark, ein City-Hotel, eine Stadthalle und natürlich das Leo-Center. „Das neue Herz Leonbergs" eröffnete 1973 als eines der ersten Einkaufszentren in Süddeutschland, das ganz klar das Konzept der amerikanischen Shopping-Malls kopierte.

Mit rund 25.000 Besuchern am Tag ist das Leo-Center heute eine überdachte Stadtmitte und eines der wichtigsten Einkaufszentren für die Stadt und die umliegende Region. In unmittelbarer Nähe zum Leo-Center befinden sich zwei Gymnasien, zwei Realschulen, eine Hauptschule und eine Förderschule. Das Leo-Center ist ein wichtiger Treffpunkt für Jugendliche und dient als inoffizielle Mensa und als „Aufenthaltsraum" für Schüler und Schülerinnen aller Innenstadt-Schulen. Seit September 2009 gibt es zwar eine neue Schulmensa, die jedoch die Attraktivität des Leo-Centers als Treffpunkt bis jetzt nicht erkennbar schmälerte. Gegenüber dem Leo-Center gibt es zudem neuerdings eine Filiale der Schnellimbiss-Kette Subway, die sich ebenfalls als Jugendtreffpunkt etabliert hat. So ist zwischen Schule, Subway und Leo-Center die angesagteste SchülerInnen-Flaniermeile Leonbergs entstanden.

1.2 Trägervielfalt in der Kinder- und Jugendarbeit / Jugendsozialarbeit Leonberg

Als eine der wenigen württembergischen Städte hat Leonberg die gesamte Kinder- und Jugendarbeit / Jugendsozialarbeit an freie Träger der Jugendhilfe abgegeben.
Dadurch sind in der Leonberger Kernstadt verschiedene Träger der Kinder- und Jugendhilfe aktiv. In unmittelbarer Nähe der neuen Stadtmitte und den Innenstadtschulen befinden sich das Jugendcafé Siesta und die Büros der Mobilen Jugendarbeit der Waldhaus Hildrizhausen gGmbH. In allen Kernstadt-Hauptschulen bietet die Arbeiterwohlfahrt klassische Schulsozialarbeit an. In den Stadtteilen Ramtel, Eltingen, Warmbronn und Gebersheim wird im Gemeinwesen integrierte Offene Kinder- und Jugendarbeit durch den Jugendhaus Leonberg e.V. angeboten. Dabei wird die klassische Offene Jugendarbeit durch aufsuchende Arbeit, Schulprojekte und Jugendkulturarbeit ergänzt. In Höfingen wird die Offene Jugendarbeit durch den Verein für Jugendhilfe Böblingen angeboten und durch die gemeinwesenorientierte Jugendsozialarbeit der Waldhaus gGmbH in enger Vernetzung mit der örtlichen Grund- und Hauptschule ergänzt. Das Gesamtkonzept der Leonberger Jugendarbeit lebt davon, dass alle Träger untereinander vernetzt sind und regelmäßig projektbezogen zusammenarbeiten.

Alle Leistungsverträge zwischen der Stadtverwaltung und den freien Trägern der Jugendhilfe beinhalten einen sozialraumorientierten Ansatz. Da die meisten Kinder und Jugendlichen aus allen Stadtteilen das Leo-Center als Treffpunkt nutzen, ist dort auch die Kooperation aller Träger besonders intensiv. Das Centermanagement fördert und fordert die Kooperation mit der örtlichen Kinder- und Jugendhilfe - die entscheidende Voraussetzung für eine nachhaltige Etablierung der Jugendarbeit / Jugendsozialarbeit in einem Einkaufszentrum.

2. Pädagogische Arbeitsansätze und Methoden im Arbeitsfeld „Leo-Center"

2.1 Aufsuchende Jugendarbeit

Die Grundidee der aufsuchenden Arbeit ist es, Treffpunkte von Jugendlichen - ihrer gewohnten und bevorzugten Sozialräume - bewusst zu nutzen, um dort (erste) Kontakte zu Kindern und Jugendlichen herzustellen. Die niederschwelligen Angebote eröffnen Möglichkeiten zur persönlichen Beratung oder bieten einfach nur Raum und Zeit zum Zuhören. Die pädagogischen Fachkräfte sind gefordert, sich in dieser schillernden Lebenswelt der Jugendlichen zu bewegen. Entscheidend ist dabei: bei der aufsuchenden Arbeit sind die Pädagogen nur Gast und nicht, wie in Schule oder im Jugendhaus, kontrollierender Gastgeber. Die Spielregeln stellen die Jugendlichen zumindest teilweise selbst auf, und der Gast ist gefordert diese zu akzeptieren. Jeder Jugendliche entscheidet grundsätzlich selbst, ob und wie weit er/sie sich auf die Kontaktaufnahme und das Beziehungsangebot einlässt. Wird dieser Ansatz konsequent verfolgt, ebnet er den Zugang zur Lebenswelt der Jugendlichen. Und es wird möglich, den Sozialraum und die damit verbundenen lebensweltlichen Bezüge der Jugendlichen besser zu verstehen.

2.2 Spielpädagogik

Spielpädagogische Ansätze sind für die Praxis in der Kinder- und Jugendarbeit unverzichtbar, da Kinder durch Spielen lernen - spielerisch lernen. Spielen ist immer auch forschen, und so erproben sie so realitätsnah soziale Rollen- und Handlungsmuster. Spielen macht Spaß! Damit dieses elementare Wesensmerkmal des Spielens nicht verloren geht, muss das pädagogische Ziel stets im Hintergrund bleiben. Eigentlich hat die Spielpädagogik aber zwei Standbeine:

  1. Kindern und Jugendlichen das Spielen zugänglich zu machen
  2. Fähigkeiten und Kenntnisse über das Spiel zu fördern.

Es ist wichtig, einerseits bei Kindern und Jugendlichen das Spielen - den Spieltrieb - zu erhalten, andererseits Freiräume für das Spielen überhaupt erst zu ermöglichen.

2.3 Erlebnispädagogik

Die Erlebnis- und Spielpädagogik überschneiden sich, gemeinsamer Ansatz ist das Erleben. Speziell die erlebnispädagogischen Ansätze sind notwendig, da viele Kinder und Jugendliche kaum mehr Zugang zu gestaltbaren und erlebnisintensiven Sozialräumen haben, insbesondere in den baulich hochverdichteten Innenstadtbereichen ist dies ein Problem. Eben dort gibt es wenig Möglichkeiten etwas zu erleben, sich zu erfahren, Neues an sich und der Umwelt zu erkennen. Gerade die vielen kleinen Erlebnisse prägen unsere Persönlichkeit!
Die traditionelle Erlebnispädagogik hat stets einen Naturbezug und ist somit für die Arbeit in Innenstadtgebiet und Einkaufszentren eigentlich unbrauchbar. Doch nicht die Natur, sondern das Erlebnis ist das entscheidende Wesensmerkmal der Erlebnispädagogik. Der Sozialraum wird durch die persönlichen Gebrauchs-, Sinn- und Deutungsmuster zum Aktions- und Erlebnisraum - zur Lebenswelt - der Jugendlichen. Sie erleben und geben dem Sozialraum oft eine ganz andere, neue Perspektive. Pädagogische Angebote sind nun besonders gefordert, an diese Perspektiven anzuknüpfen.

3. Zwischen Kunde und Störenfried - zur Ambivalenz eines Sozialraums

Offene Arkaden, polierter Granit und Marmor - Einkaufszentren erinnern mit ihrer Ästhetik an antike Kultstätten, nicht umsonst werden sie spöttisch als „Konsumtempel" bezeichnet. Doch in diesem scheinbaren Sakralraum wird kein archaischer Gott verehrt, sondern „nur" dem Konsum gefrönt. Seine beherrschende Rolle für diesen Sozialraum ist offensichtlich. Die gemütlichen Verweilmöglichkeiten und die umfangreiche Take-Away-Gastronomie dienen nur einem Ziel: die Aufenthaltsdauer der Besucher zu verlängern und den potenziellen Konsumzeitraum zu vergrößern.

Die Attraktivität von Einkaufszentren ist kein Zufall, vielmehr sind sie intelligent geplante Orte, die explizit für das Verweilen und Wohlfühlen konzipiert sind. So ist es nicht verwunderlich, dass diese Räume auch unter den Jugendlichen, ungeachtet der Kontrolle durch uniformierte Security-Dienste, äußerst beliebt sind. Es sind ambivalente, janusköpfige Sozialräume - attraktiv und restriktiv zugleich!

Rechtlich gesehen sind Einkaufszentren keine öffentlichen, sondern nur scheinbar öffentliche - halböffentliche - Sozialräume. Hier gilt das Hausrecht des Centermanagements, klar sichtbar durch die patrouillierenden Wachleute. Es ist ein kontrollierter Schutzraum, der gleichzeitig vorgaukelt offen und niederschwellig zu sein, um den Kundenstrom ungehindert fließen zu lassen.

3.1 „Wir sind das größte Jugendhaus in Leonberg!"

Mit diesem leicht ironischen Zitat betonte die ehemalige Centermanagerin Frau Eberhardt immer wieder die hohen jugendlichen Besucherzahlen. Es ist jedoch kein Bekenntnis, dass man sich in einer unmittelbaren pädagogischen Verantwortung gegenüber dieser Klientel sieht. Im Gegenteil, die Aussage dient als Legitimation, Kinder- und Jugendhilfeangebote offensiv einzufordern. Angesichts der desolaten Haushaltslage vieler Kommunen darf zumindest angedacht werden, ob eine Beteiligung an den entstehenden Personal- und Sachkosten politisch durchsetzbar ist. Insbesondere wenn privatwirtschaftliche Unternehmen, wie das Leo-Center, die Dienstleistungen der öffentlich finanzierten Jugendarbeit direkt anfordern und nutzen, ist diese Frage berechtigt. Grundsätzlich besteht jedoch die Gefahr, dass durch diese Strategie das neuerschlossene und wertvolle Arbeitsfeld wieder verloren geht.

Für die Jugendlichen selbst ist das Leo-Center ein Begegnungs- und Erlebnisraum, ein Stück Teilnahme an der Welt der Erwachsenen oder einfach nur Mensaersatz. Doch die jugendlichen Nutzer des Leo-Centers werden nicht unbedingt als Konsumenten wahrgenommen, sondern auch als Störenfriede.

Die Präsenz von Jugendlichen ist keineswegs immer konfliktfrei. Insbesondere das „Rumhängen im Leo-Center", diese scheinbar nutzlose Tätigkeit wird von Erwachsenen als unangenehm, sogar als bedrohlich interpretiert. Dabei ist es unerheblich, ob der einzelne Jugendliche letztendlich wirklich ein konkretes Fehlverhalten an den Tag legt - ihre Präsenz stört das Shoppingvergnügen.

Dabei hat das Rumhängen durchaus eine soziale Funktion. Mittels dieser Raumaneignungs- und Raumumdeutungsstrategie lernen Jugendliche sich im öffentlichen Raum zu positionieren und zu agieren. Doch gerade im Sozialraum „Einkaufszentrum" ist eine Aneignung und Umdeutung grundsätzlich unerwünscht, denn die klassische Konsumentenrolle ist passiv.

Der Grundcharakter dieses Sozialraums steht konträr zu dem sozialpädagogischen Arbeitsleitbild. Die Konsumorientierung manifestiert soziale Unterschiede, und benachteiligte Jugendliche - diejenigen ohne viele „€uros" im Geldbeutel - werden von der aktiven Teilhabe in diesem Sozialraum faktisch ausgeschlossen.

4. Praxisbeispiele: Pädagogische Arbeit im Sozialraum „Leocenter"

4.1 Baustein I - Indoor Streetwork

Die Treffpunkte im Leo-Center sind witterungsunabhängig, so sind dort ganzjährig und regelmäßig pädagogische Fachkräfte im Einsatz. Die aufsuchende Kinder- und Jugendarbeit ist die zentrale Methode im Sozialraum Einkaufszentrum. Der Erhalt von Treffpunkten ist dabei ein elementares Ziel der aufsuchenden, sozialraumorientierten Jugendsozialarbeit.

Kickern im Einkaufszentrum

Allerdings werden die (Verhaltens-) Regeln nicht alleine von den Jugendlichen bestimmt, sondern unterliegen dem Hausrecht. So darf an diesem Indoor-Treffpunkt nicht geraucht und Alkohol getrunken werden, sonst drohen Hausverbote durch den omnipräsenten Wachdienst. Die pädagogischen MitarbeiterInnen sind ganz klar nicht direkt im Auftrag des Einkaufszentrums unterwegs. Es ist daher auch nicht ihre Pflicht für die Einhaltung des Hausrechts einzutreten. Die Pädagogen sollten Jugendliche aber für das Hausrecht sensibilisieren und versuchen Jugendlichen eine konfliktarme Nutzung dieses attraktiven Treffpunkts aufzuzeigen. Aufgrund der Mittlerrolle der Pädagogen ist die aufsuchende Jugendarbeit in Einkaufszentren prinzipiell ein Sonderfall in der aufsuchenden Jugendarbeit. Da Kinder und Jugendliche (leider) immer wieder Grenzen austesten, erfordert gerade die schwierige Mittlerrolle der Pädagogen eine klare Absprache mit dem Center-Management, um zu vermeiden, dass die pädagogische Arbeit instrumentalisiert und langfristig wirkungslos wird.

4.2 Baustein II - Leo Action - das regelmäßige Spielangebot

Leo-Action, ist ein monatliches Spiel- und Bastelangebot und wird durch die mobile Jugendarbeit der Waldhaus Hildrizhausen gGmbH angeboten. Unter dem Motto „Spielen statt rumhängen" werden verschiedene Spiel- und Bastelangebote den Kindern und Jugendlichen zugänglich gemacht. Dieses niederschwellige Angebot ermöglicht vielen Kinder und Jugendlichen Kontakt zu den MitarbeiterInnen der Mobilen Jugendarbeit aufzubauen. Vor allem der Spaß und die Alternative zum Rumhängen in der Mittagspause und am Nachmittag stehen im Vordergrund des spielpädagogischen Angebots. Darüber hinaus werden über die Spiele auch weitere Kompetenzen und Themen vermittelt.

4.3 Baustein III - Erlebnisraum Leo-Center - Aktionen und Projekte

Die Innenstadt und das Leocenter sind eigentlich der Verantwortungsbereich der Waldhaus gGmbH. Die Aktivitäten des Jugendhaus Leonberg e.V. (JHL) beschränken sich deshalb auf einzelne Aktionen und Projekte (z.B. Weltspieltag 2008, Alkoholprävention 2009). Der JHL selbst ist der traditionsreichste Träger der Kinder- und Jugendhilfe in Leonberg, dessen Wurzeln in der selbstverwalteten Jugendarbeit liegen. So ist bis heute die Grundhaltung, für die Interessen der Jugendlichen offensiv Partei zu ergreifen, für diesen Träger prägend.

Für den Weltspieltag 2008 wurde das bekannte Brettspiel „Scotland Yard" durch den Jugendhausverein in ein packendes Live-Spiel umgeformt. Die jungen Nachwuchsagenten standen vor der Aufgabe mittels Fahndungsfotos und einem ausgeklügelten Codewortsystem, die als Kunden getarnten „Verbrecher" zu entlarven. Tanja Gmeiner, Sozialpädagogin in der Beatbaracke, verdeutlichte die pädagogischen Intentionen dieses Projekts: „Wir nutzen bewusst das Leo-Center als Erlebnisraum. So wurde das Einkaufszentrum am Weltspieltag zur spannenden Realkulisse für unser Agentenspiel. Ein tolle Erfahrung, wie man die Wahrnehmung und Nutzung eines Raums spielerisch verändern kann." Unterstützt wurde die Aktion durch den Spielwarenhändler des Leo-Centers, der ein Scotland-Yard-Brettspiel spendete und an diesem Tag das genannte Spiel zum Sonderpreis verkaufte.

5. Anforderungen für zukünftige Projekte

Einkaufszentren sind Begegnungsstätte, Handelsplatz und Erlebnisraum zugleich. Die persönlichen Perspektiven von Jugendlichen, Handeltreibenden und Pädagogen auf diesen Sozialraum unterscheiden sich freilich gravierend voneinander. Und ihre subjektiven Sozialrauminterpretationen und Nutzungsideen erzeugen ein grundlegendes Spannungsverhältnis in diesem Arbeitsfeld. Die Herausforderung ist nun, dieses Spannungsverhältnis offen zu legen und im Sinne einer Win-Win-Lösung jugendliche, wirtschaftliche und pädagogische Interessen konstruktiv zu vereinen.

Ungeachtet dessen wäre es sinnvoll, die offenbar erfolgreichen Strategien der Einkaufszentren in Bezug auf Offenheit und Niederschwelligkeit in die Planung von zukünftigen Jugendhäusern einfließen zu lassen. Womöglich lässt sich der Erfolg der Einkaufszentren auch von der Offenen Jugendarbeit kopieren.


Zitiervorschlag

Birte Brinkmann, Daniel Wittinger: Der Sozialraum „Einkaufszentrum“ als pädagogisches Arbeitsfeld. In: sozialraum.de (2) Ausgabe 1/2010. URL: http://www.sozialraum.de/der-sozialraum-einkaufszentrum-als-paedagogisches-arbeitsfeld.php, Datum des Zugriffs: 27.05.2017

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