Skater auf einer Treppe
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AutorInnen

Julia Pollak DSAin
Leiterin des FAIR-PLAY-TEAM Angebots im 11. Wiener Gemeindebezirk
Kontakt: j.pollak@parkbetreuung.at

Christoph Stoik MA
Fachhochschule Campus Wien, Masterstudiengang für Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit
Kontakt: christoph.stoik@fh-campuswien.ac.at

Inhalt

  1. 1. Ausgangslage und Einleitung
  2. 2. Aus der Praxis der Arbeit des FAIR-PLAY-TEAMs in Wien-Simmering
    1. 2.1 Konzept des FAIR-PLAY-TEAM in Wien-Simmering
    2. 2.2 Der Sozialraum
    3. 2.3 Arbeitsinhalte am Ort
  3. 3. Spannungsfelder in der FAIR-PLAY-TEAM-Arbeit
    1. 3.1 Widersprüchliche Aufträge und Ansprüche
    2. 3.2 Zielgruppen und Parteilichkeit
    3. 3.3 Zwischen Zielgruppen und Raum
    4. 3.4 Schnittstelle zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit
    5. 3.5 Projektarbeit vs. Kontinuität
    6. 3.6 Sichtbarkeit im öffentlichen Raum und Abgrenzung zu ordnungspolitischen Ansprüchen
    7. 3.7 Gestaltungsmöglichkeiten und Beschränkungen
  4. 4. Schlussfolgerungen und Ausblick
  5. Literatur


Aktuelle Rezensionen

Buchcover

Michael Noack (Hrsg.): Empirie der Sozialraumorientierung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. 335 Seiten. ISBN 978-3-7799-3412-7. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 27,90 sFr.
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Buchcover

Sebastian Dirks, Fabian Kessl, Maike Lippelt, Carmen Wienand: Urbane Raum(re)produktion - Soziale Arbeit macht Stadt. Verlag Westfälisches Dampfboot (Münster) 2016. 254 Seiten. ISBN 978-3-89691-726-3. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,90 sFr.
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weitere Rezensionen zum Thema Sozialraum

FAIR-PLAY-TEAM – Soziale Arbeit gegen die ordnungspolitische Transformation von öffentlichen Räumen in Wien. Eine praxisbezogene kritische Reflexion

Julia Pollak, Christoph Stoik

1. Ausgangslage und Einleitung

Seit einigen Jahren ist der öffentliche Raum verstärkt ins mediale und politische Interesse gerückt. Die Medien zeichnen nicht erst seit den Vorfällen in Köln 2016 einen öffentlichen Raum der per se gefährlich sei, ungeachtet dessen, dass dies mit Kriminalitätsdaten kaum oder gar nicht nachweisbar ist (vgl. in Bezug zu Österreich u. a. SOS-Mitmensch 2016; Julia Herrnböck 2016). Unbeeindruckt von Fakten werden in der öffentlichen Auseinandersetzung Sachverhalte populistisch motiviert miteinander vermischt. Reale Entwicklungen, wie soziale Ungleichheiten, die in einer internationalen Stadt in der Mitte Europas aus unterschiedlichen Gründen vermehrt auf der Straße sichtbar werden, oder die Verknappung von öffentlichem Raum aufgrund kommerzieller Interessen in einer wachsenden Stadt wie Wien, werden in Verbindung mit einer medialen und politischen Kulturalisierung gebracht, aber auch mit einer Stigmatisierung von Menschen, die von Armut betroffen sind. Der „gefährliche“ öffentliche Raum wird in der öffentlichen Auseinandersetzung mit ethnisch motivierten Konflikten, sexuellen Übergriffen, Gewalt, Kriminalität, Armut, Betteln, Wohnungslosigkeit, Suchtmittelkonsum medial und politisch inszeniert, ohne auf reale Probleme und Hintergründe ernsthaft und differenziert einzugehen. Der Ruf nach Sicherheit und Ordnung im öffentlichen Raum hat ungeachtet dieser Ausgangslage Konsequenzen auch für die Soziale Arbeit. Diese kommt vermehrt unter Druck, ordnungspolitische Aufgaben in Bezug auf den öffentlichen Raum zu übernehmen oder das Recht auf Aufenthalt von Adressat_innen ihrer Arbeit gegenüber der Mehrheitsgesellschaft zu verteidigen (vgl. dazu u. a. Diebäcker 2014; Wacquant 2009).
In diesem gesellschaftlichen Kontext muss auch die Gründung der FAIR-PLAY-TEAMs in Wien betrachtet werden. Das Vorläuferprojekt „KOVER“ griff 2004 den öffentlichen Diskurs rund um die Neu- und Umdefinierung sowie die Nutzung von öffentlichen Räumen auf und setzte auf Wunsch einzelner Wiener Bezirke und abgewickelt durch die Integrations- und Diversitätsabteilung der Stadt Wien in einzelnen Stadtteilen das Projekt zur „Konfliktvermittlung im öffentlichen Raum“ um. Im Jahr 2010, als kommunale Wahlen in Wien abgehalten wurden, wurden – zunächst saisonal befristete – FAIR-PLAY-TEAM Projekte in einigen Bezirken implementiert. Fachlich verantwortlich ist seitdem die Magistratsabteilung 13 (im Folgenden MA13), die in Wien für die Verwaltung der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit, sowie Bildungsagenden zuständig ist. Das FAIR-PLAY-TEAM ist ein Angebot der Wiener Kinder- und Jugendarbeit und versteht sich als ein gemeinwesenorientiert ausgerichtetes Angebot, das alle Menschen im öffentlichen Raum einbezieht. Für die Umsetzung verantwortlich sind Trägervereine der Wiener Kinder und Jugendarbeit.
Die konkreten Aufgaben und konzeptionellen Grundlagen sowie Informationen zu Zielen und Zielgruppen können im Rahmenkonzept des FAIR-PLAY-TEAMs unter folgendem Link aufgerufen werden: https://www.wien.gv.at/freizeit/bildungjugend/pdf/rahmenkonzept.pdf

Angesichts des ordnungspolitischen Drucks auf die Soziale Arbeit fand in Wien bereits 2010 eine Auseinandersetzung zur Funktion und Rolle der Sozialen Arbeit im öffentlichen Raum statt. In einem Mission Statement und einem Glossar, das von fünf Geschäftsgruppen der Stadt Wien unterstützt und fünf Stadträt_innen unterzeichnet wurde, ist festgehalten worden, dass Soziale Arbeit im öffentlichen Raum in erster Linie die Aufgabe hat, Menschen zu unterstützen, die besonders auf den öffentlichen Raum angewiesen sind. Damit wurde die helfende bzw. unterstützende und schützende Rolle der Sozialen Arbeit gegen ordnungspolitische Ansprüche gestärkt (vgl. Krisch/Stoik 2012). Dieser Prozess war Grundlage dafür, die Implementierung der „FAIR-PLAY-TEAMs“, die ordnungspolitischen Vorstellungen gefolgt ist, fachlich argumentiert so zu gestalten, dass diese Einrichtungen ihre unterstützende Rolle und Funktion in der Praxis wahrnehmen können. In diesem Beitrag wird versucht, diese fachliche Positionierung zu reflektieren und auf den Prüfstand zu stellen.

Die Autor_innen dieses Beitrags sind in der Gestaltung der FAIR-PLAY-TEAM Angebote involviert. Christoph Stoik hat die verantwortliche Magistratsabteilung 13 für Jugend und Bildung (MA13) seit der Einführung der Angebote beraten, die Einschulungen der Mitarbeiter_innen mitgestaltet und leitet(e) die Einschulungen sowie Reflexionen der Mitarbeiter_innen gemeinsam mit Petra Sallaba. 2015 übernahm er die fachliche Verantwortung für die Neukonzeptionierung der FAIR-PLAY-TEAMs ebenfalls im Auftrag der MA13. Für die Erstellung des Rahmenkonzeptes wurde das Kompetenzzentrum für Soziale Arbeit der FH Campus Wien beauftragt. Bei der Entwicklung des Konzepts wurden die Fachreferent_innen der beauftragenden MA13 sowie die umsetzenden Vereine und Mitarbeiter_innen stark einbezogen, u. a. auch die Co-Autorin dieses Beitrags. Julia Pollak ist, zuerst im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, seit Bestehen des FAIR-PLAY-TEAM Angebots im 11. Wiener Gemeindebezirk, in diesem in leitender Funktion tätig. Als pädagogische Leitung des Angebots zählt es zu ihren Aufgaben, gemeinsam mit dem Team – aufbauend auf wienweit gültigen Konzepten – konkrete Schwerpunkte sowie die Umsetzung vor Ort zu planen, zu steuern, zu reflektieren und weiter zu entwickeln.
Der Beitrag ist so aufgebaut, dass nach der beispielhaften Beschreibung der Praxis der FAIR-PLAY-TEAM-Arbeit in Wien Simmering (11. Bezirk) die Rahmenbedingungen sowie das Rahmenkonzept kurz vorgestellt werden. Schließlich wird das Konzept und die Praxis ausgehend vom Fallbeispiel aus Simmering reflektiert und diskutiert und dessen Spannungsfelder aufgezeigt werden.

2. Aus der Praxis der Arbeit des FAIR-PLAY-TEAMs in Wien-Simmering

2.1 Konzept des FAIR-PLAY-TEAM in Wien-Simmering

2010 wurde Balu&Du, ein Trägerverein der offenen Kinder- und Jugendarbeit im 11. Wiener Gemeindebezirk, ersucht, zusätzlich zu den Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit, saisonal das gemeinwesenorientierte Projekt FAIR-PLAY-TEAM umzusetzen. Seit 2013 ist das FAIR-PLAY-TEAM 11 (im Folgenden FPT11) ganzjährig tätig und besitzt mit Büroräumlichkeiten und einer eigenen pädagogischen Leitung die notwendigen Strukturen, um die Aufgaben und Zielsetzungen, die im wienweiten Rahmenkonzept sowie in eigenen Schwerpunktsetzungen definiert sind, zu verfolgen (vgl. Balu&Du 2016: http://www.parkbetreuung.at/fairplay)
Entsprechend dem wienweiten Rahmenkonzept verfolgt das FPT11 eine Schwerpunktsetzung hinsichtlich der kontinuierlichen Arbeit in öffentlichen Räumen mit der Zielsetzung, ihre sozialen Qualitäten zu erhalten bzw. zu verbessern und Menschen jeden Alters zu ermutigen, sich in die Aneignungs-, Aushandlungs- und Gestaltungsprozesse einzubringen. Dabei wird besonders auf eine Niedrigschwelligkeit des Angebots und eine Zugänglichkeit für eine möglichst große Bandbreite der Bevölkerung geachtet und vor allem auch darauf, dass sich auch jene Menschen einbringen können, die in höherschwelligen Partizipations- und Beteiligungsprozessen nicht erreicht werden können. Meist besitzen diese Menschen auch nicht die notwendigen Ressourcen, um gegenüber der Verwaltung oder der politischen Akteur_innen für ihre Anliegen einzutreten. Das FPT11 vermittelt bei unterschiedlichen Ansprüchen an den öffentlichen Raum, führt Projekte durch, setzt sich mit Schwerpunktregionen oder -themen auseinander und bearbeitet damit strukturiert und kontinuierlich Fragestellungen, die Nutzung bzw. Aneignungsprozesse im öffentlichen Raum betreffen. Dabei steht es in Kontakt zu Verwaltungsbehörden, dem Bezirk sowie Vernetzungs- und Kooperationspartner_innen und nimmt eine Schnittstellenfunktion in der Weitergabe von Informationen bzw. Wünschen und Ansprüchen, die an den öffentlichen Raum bestehen, ein.
Themen, die an das FPT11 herangetragen werden, sowie Beobachtungen durch FPT11 werden mit den dahinterliegenden gesellschaftlichen, politischen und soziokulturellen Prozessen in Zusammenhang gebracht. Die daraus abgeleiteten Bedürfnisse und Vorschläge dienen als Grundlage für alle Maßnahmen, die zur Zielerreichung getroffen werden.
Als Zielgruppen der Arbeit definiert das Team in erster Linie Nutzer_innen der öffentlichen Räume unabhängig von ihrem Alter. Auch Personen, die durch die Nutzungen der Orte betroffen sind, unabhängig davon, ob sie diese selbst nutzen oder nicht, zählen zu erweiterten Zielgruppen [1].
In der Folge wird eine Praxissituation beschrieben, die etwas vereinfacht und verallgemeinert dargestellt wird. Diese Praxissituation wird für die weitere Reflexion im Beitrag herangezogen. Auf den Ort und seine unterschiedlichen Nutzungen sowie auf die Bearbeitungen der Themen, die an das FPT11 herangetragen werden, wird immer wieder zurück verwiesen.

2.2 Der Sozialraum

Der Park, in dem das FPT11 regelmäßig tätig ist, befindet sich in einem dichtverbauten Gebiet in einem Außenbezirk. An einer Seite grenzt eine Wohnsiedlung des kommunalen Wohnbaus an. Auf der anderen Seite des Parks wurde ein öffentlich gefördertes Bauprojekt mit insgesamt 700 Wohnungen verwirklicht. In unmittelbarer Wohnungsnähe sind Kleinkindspielbereiche errichtet worden, die ausschließlich den Bewohner_innen der Neubauten zur Verfügung stehen. Ein Jugendspielplatz, der öffentlich zugänglich ist, wurde auf einem zentral gelegenen Platz geschaffen. Er verfügt über eine Boulderwand und eine Bocciabahn. Der Park selbst zählt zum öffentlichen Raum, er wird von einer Magistratsabteilung der Stadt Wien (MA42) verwaltet. Im Park befinden sich zwei eingezäunte Ballspielplätze, Sitzgelegenheiten, Hängematten und ein multifunktionales Klettergerüst, das besonders ältere Kinder anspricht. Im eingezäunten Kinderspielbereich sind einige Spielgeräte und ein Trinkbrunnen. Die übrige Parkinfrastruktur besteht aus einem mit Gras bewachsenen Hügel, entlang des Wegs sind Bänke aufgestellt.

Das FPT11 ist seit 2010 regelmäßig in dieser Parkanlage anzutreffen und setzt sich intensiv mit den Bedürfnissen und Anliegen der Nutzer_innen des Orts auseinander, führt Gespräche, hält Kontakt zu bekannten Personen(gruppen), dokumentiert die Nutzung und bearbeitet immer wieder auch Anliegen von Anrainer_innen, die Ansprüche an diesen öffentlichen Raum stellen..

2.3 Arbeitsinhalte am Ort

Die folgenden, leicht veränderten Ereignisse und Abläufe geben stark verkürzt Themen und Arbeitsfelder des FPT11 an diesem Ort in einem Sommermonat wieder.

Tag 1, 18:30 Uhr – Gespräch mit Frau M. im Park: Sie, ihr Hund und ein Bekannter halten sich nun vermehrt in einer anderen Parkanlage auf. Sie kann nicht nachvollziehen, warum es in der gesamten näheren Umgebung keine Hundezonen gibt.

Tag 3, 16:00 Uhr – Gespräch mit 4 männlichen Kindern und 3 Jugendlichen im Park: Es gibt Meinungsunterschiede, welche Gruppe zu welchen Zeiten den größeren der beiden Ballspielplätze nutzen darf. Das FPT11 kann den Konflikt schlichten, am Ende der Runde sucht das FPT11 den Ort nochmals auf, zu diesem Zeitpunkt (21.00 Uhr) sind die Plätze nicht genutzt.

Tag 4, 09:30 Uhr – Mail des Bezirks: Das Büro der Bezirksvorstehung bittet um Kontaktaufnahme mit Anrainerin Frau B. bezüglich Lärmbelästigung durch Jugendliche

Tag 4, 22:30 – Notiz aus dem Dienstbuch: Um ca. 21.30 Uhr verlassen die letzten Fußballspieler_innen den Ort, bereits bekannte männliche Jugendliche haben sich in einer Nische zusammengesetzt, sie unterhalten sich angeregt, gegenseitige Begrüßung, keine weitere Kontaktaufnahme durch das FPT11. Mülleimer sind alle übervoll.

Tag 5, 14:00 Uhr – Telefonische Kontaktaufnahme mit Frau B.: Sie hat eine neue Wohnung angrenzend an den Park bezogen. In den Sommermonaten kann sie nach ihren Angaben die Fenster am Abend nicht offen stehen lassen, da sonst Gesprächslärm und Rauchgestank in ihre Wohnung eindringen. Sie findet dies unzumutbar. Das FPT11 informiert über geltende Regelungen und die Bedeutung des Parks und bietet ein persönliches Treffen am Ort an. Im Gespräch stellt die Mitarbeiterin des FPT11 Frau B. auch die Frage, ob sie sich vorstellen kann, persönlich in Kontakt zu den Jugendlichen zu treten, sei es dadurch, dass sie im Anlassfall den Ort besucht oder dass ein vom FPT11 arrangiertes Treffen stattfindet. Diese Vorschläge nimmt Frau B. zum jetzigen Zeitpunkt nicht an. In ca. 2 Wochen kontaktiert das FPT11 Frau B. nochmals telefonisch. Zusätzlich wird sie eingeladen, das FPT11 im Bedarfsfall direkt zu kontaktieren sowie auf die Tatsache, dass sie nach der in Wien geltenden Nachtruhe ab 22.00 Uhr die Möglichkeit hat, die Polizei zu informieren, hingewiesen.

Tag 8, 12:30 Uhr – Teambesprechung: Infoweitergabe zum stattgefundenen Telefonat mit Frau B. und Austausch über Beobachtungen des FPT11 am Ort. Vereinbarung des weiteren Vorgehens des FPT11: Besuche des Orts und aktive Kontaktaufnahme zu Nutzer_innen, die sich in diesem Bereich des Parks aufhalten

Tag 8, 17:45 Uhr – Langes Gespräch mit 5 männlichen und 3 weiblichen Jugendlichen im Park: Sie treffen sich zum Musikhören am Abend in einer Nische im Park, der „Chillarea“. Sie sind verwundert darüber, dass im angrenzenden Haus nicht nur der Kindergarten untergebracht ist, sondern dass sich dort auch Wohnungen befinden. Sie stellen dem FPT11 die Frage, wo sie sich denn überhaupt noch aufhalten können in dieser Region – ohne, dass ihr Verhalten jemanden stört.

Tag 9 – 19:30 Uhr – Gespräch mit einer Gruppe Jugendlicher im Ballspielbereich: langes Gespräch über Nutzungszeiten, alternative Orte für Ballspiele sowie geltenden Regelungen sowie über den Sommer, die Sommerferien und Ausbildungsmöglichkeiten. Das FPT11 gibt Infos zu den Beratungsangeboten der Jugendarbeit weiter.

Tag 12, 17:15 Uhr – Notiz aus dem Dienstbuch: bei Schönwetter am Nachmittag intensive Nutzung der gesamten Anlage. Die „Chillarea“ wird untertags von Personen mit unterschiedlichen soziokulturellen Hintergründen genutzt: Frauen und jüngere Kinder picknicken, das Klettergerüst ist extrem gut genutzt. Kurzes Gespräch mit Kindern im Ballspielbereich: Diesmal keine Streitereien, alles gut!

Tag 15, 09:00 Uhr – Information von Vernetzungspartner_innen: Anrainer_innen fordern Polizeipräsenz und hartes Durchgreifen aufgrund des Aufenthalts von „Suchtkranken“ im Park und sehen eine besondere Gefährdung für Kinder und Jugendliche. Angeblich existiert eine Unterschriftenliste.

Tag 16, 20:00 Uhr – Notiz aus dem Dienstbuch: im oberen Bereich des Parks halten sich (wie auch schon in den letzten Wochen) männliche Erwachsene auf, die Alkohol konsumieren. Konsumspuren (weggeworfene Spritzutensilien,...) konnten nicht gefunden. Nachfrage bei der MA42, die auch die Reinigung durchführt.

Tag 18, 08:15 Uhr – Mailantwort der Parkverwaltung (MA42): keine Spritzenfunde o. ä. durch die Reinigungsgruppe. Die Mülleimer seien aufgrund von großen Behältnissen (Pizzakartons und Co) oft „verstopft“. Das FPT11 wird gebeten, nach Möglichkeit mit den Nutzer_innen der Anlage darüber zu sprechen.

Tag 18, 17:30 Uhr – Notiz aus dem Dienstbuch: kühl, regnerisch, 3 Jungs beim Fußballspielen (die üblichen), sonst alles leer. Keine „Suchtkranken“. Die weiblichen Jugendlichen, die sich fallweise in der „Chillarea“ aufhalten, werden auf dem Weg zum Einkaufen angetroffen. Auf die Frage, ob es besondere Vorkommnisse im Park gegeben hätte, meinen sie, dass in letzter Zeit „eh nichts mehr gewesen“ sei.

Tag 21 und 22 – Durchführung einer Beteiligungsaktion: Das FPT11 führt an einem anderen regelmäßig besuchten Ort gemeinsam mit Kooperationspartner_innen eine Beteiligungsaktion durch, in deren Rahmen die Nutzer_innen aktiviert werden, positive wie negative Wahrnehmungen zum Ort bildlich zu dokumentieren. Diese Fotodokumentation stellt die Ausgangslage für geplante Umgestaltungsprozesse in Absprache mit dem Bezirk und der MA42 dar. Aufgrund der intensiven Arbeit an diesem Schwerpunkt wird der hier beschriebene Ort nicht besucht.

Tag 23, 13:00 Uhr – Besprechung im Team: Klärung der weiteren Vorgehensweise in Bezug auf Erwachsene, die sich scheinbar durch ihr Verhalten von anderen Personen unterscheiden. Überlegungen zu möglichen weiteren Schritten – soll aktiv Kontakt zur lokalen Verwaltung sowie zu weiteren Vernetzungspartner_innen aufgenommen werden? Nachfrage im Team: Gab es eine Kontaktaufnahme durch Frau B.?

Tag 23, 14:30 Uhr – telefonische Nachfrage bei der Jugendarbeit: Diese hat ebenso wie das FPT11 Alkohol konsumierende Erwachsene bei der aufsuchenden Arbeit in der Region bemerkt. Jugendliche haben die Gruppe bzw. ihr Verhalten bislang nicht thematisiert. Aus dem fachlichen Hintergrund der Mitarbeiter_innen wird ein Konsum illegaler Suchtmittel am Ort für unwahrscheinlich gehalten.

Tag 23, 17:30 Uhr – Gespräch mit vier männlichen Erwachsenen im Park: Sie sind jeden Sommer saisonal in Wien beschäftigt. Sie nutzen den Ort als Treffpunkt nach der Arbeit, die Getränke besorgen sie im nahegelegenen Diskonter. Verständigung aufgrund von Sprachbarrieren schwierig. Schlussfolgerungen des FPT11: Kontakthalten, Beobachten, ob sie Unterstützungsangebote benötigen.

Tag 25, 16:00 Uhr – Gespräch mit Frau M. am Parkeingang: In letzter Zeit ist ihr eine Gruppe Männer im Park aufgefallen. Aufgrund ihrer „Vergangenheit“ – die sie allerdings im Gespräch nicht näher thematisieren möchte – hat sie Angst, sich in ihrer Nähe aufzuhalten. Sie ist darum froh, dass ihr Bekannter nun mit ihr und ihrem Hund unterwegs ist. Er hat vor kurzem eine kleine Wohnung in der Nähe erhalten, da er jetzt endlich „von dem Gift weg ist“.

Tag 26, 10:00 Uhr – Erstellung des Monatsberichts für den Bezirk und die MA13: Die Ereignisse am Ort werden zusammengefasst und die Einschätzung des FPT11 abgebildet. Das Team konnte die Wahrnehmung, dass eine Gefährdung durch Menschen, die illegale Suchtmittel am Ort konsumieren, nicht verifizieren. Auch Vernetzungspartner_innen haben selbst keine diesbezüglichen Wahrnehmungen gemacht. Der Park wird von einzelnen Nutzer_innen(gruppen) intensiv genutzt. Er ist für sie ein wichtiger Aufenthaltsraum, an dem sie einen Großteil ihrer Zeit verbringen und für sie große Bedeutung hat. Durch die Nähe ihrer bevorzugten Aufenthaltsorte zu angrenzenden Wohnbauten kam es im vergangenen Monat zu punktueller Lärmentwicklung, die eine Anrainerin als Verringerung ihrer Lebensqualität wahrgenommen hat. Das FPT11 war und ist in Kontakt mit allen Beteiligten. Die Parkanlage ist der einzige öffentlich zugängliche Freiraum in der näheren Umgebung, der für die Gesprächspartner_innen sehr wichtig ist.

3. Spannungsfelder in der FAIR-PLAY-TEAM-Arbeit

Die saisonalen FAIR-PLAY-TEAM-Angebote wurden 2010 wienweit sehr rasch implementiert. Dabei wurde auf bereits vorhandene Strukturen und Stakeholder zurückgegriffen. Aufgrund des damaligen zeitlichen und politischen Drucks bestand vorerst kaum die Möglichkeit einer fundierten fachlichen Diskussion und einer Auseinandersetzung mit dem 2010 entwickelten Grobkonzept. Vor allem auch auf Ebene der durchführenden Trägervereine und auf Mitarbeiter_innen-Ebene gab es kaum Ressourcen, sich mit den veränderten Rahmenbedingungen auseinander zu setzen. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich das Angebot FAIR-PLAY-TEAM in den einzelnen Bezirken während seiner Laufzeit stetig weiter.
Seit Beginn seiner Implementierung wurden von den Praktiker_innen in den einzelnen Wiener Bezirken sowie auch von der begleitenden wissenschaftlichen Seite der FH Campus Wien allerdings immer wieder Themenfelder aufgegriffen, deren Bearbeitung grundlegend für die eigene fachliche Positionierung zu sein scheint. Die Auseinandersetzung mit diesen Themenfeldern ist in das Rahmenkonzept 2015 eingeflossen.
Mit dem vorab geschilderten Praxisbeispiel aus einer Parkanlage im 11. Wiener Gemeindebezirk und der Fokussierung auf sieben Spannungsfelder, die in Reflexionen und bei teaminternen und angebotsübergreifenden Reflexionstreffen immer wieder zur Sprache kommen, wird versucht, sich kritisch mit dem Angebot und seinen Zielsetzungen auseinander zu setzen. Die folgende Reflexion speist sich also aus der Praxis und bezieht sich dabei auch auf das neue Rahmenkonzept.

3.1 Widersprüchliche Aufträge und Ansprüche

Das FAIR-PLAY-TEAM ist mit widersprüchlichen Nutzungsansprüchen, fachlich begründeten Vorstellungen, aber auch mit Ruhe- und Ordnungsvorstellungen konfrontiert, die von Nutzer_innen formuliert werden, bzw. von politisch Verantwortlichen transportiert oder eingefordert werden. Die Teams sollen zwischen den unterschiedlichen Anliegen vermitteln, bzw. die Interessen einzelner (benachteiligter) Akteur_innen bzw. Gruppen durchsetzen. Im oben genannten Beispiel werden die unterschiedlichen Ansprüche der Adressat_innen des Angebots deutlich: männliche Kinder und Jugendliche haben eindeutig formulierte Vorstellungen in Bezug auf die Nutzung der Ballspielflächen, Jugendliche sprechen sich dafür aus, den Raum nutzen zu können ohne aus ihm verdrängt zu werden. Ebenso explizit formuliert eine Anrainerin ihren Anspruch auf Ruhe im öffentlichen Raum zu bestimmten Uhrzeiten. Klar werden auch die Wünsche der MA42 als Verwalterin der Fläche in Bezug auf Reinlichkeit formuliert, sowie das Anliegen des Bezirks, sich mit der der Anrainerin Frau B. auseinander zu setzen.
Ans Team werden Wünsche von Personen herangetragen, die sich scheinbar gegen den Aufenthalt von marginalisierten Personen am Ort aussprechen. Im geschilderten Praxisbeispiel drückt sich dieses Interesse über eine angeblich existierende Unterschriftenliste aus. Das Team ist gefordert sich in der jeweiligen Situation vor Ort adäquat zu den unterschiedlichen Ansprüchen zu verhalten, sich aber auch vor einer möglichen Vereinnahmung abzugrenzen, besonders wenn diese - von der beauftragenden Stelle gewünscht werden und gleichzeitig im Widerspruch zu den eigenen fachlichen Ansprüchen stehen.
Professionelles Handeln im Rahmen der FAIR-PLAY-TEAMs verlangt nach einer permanente Reflexion darüber, welche Ansprüche die unterschiedlichen Akteur_innen an das Angebot haben, welche eigenen fachlich begründeten Ansprüche die Teams im konkreten Fall haben und wie mit widersprüchlichen Ansprüchen professionell umgegangen werden kann. Ein besonderes Spannungsfeld ergibt sich, wenn FAIR-PLAY-TEAMs den eigenen fachlichen Anspruch so definieren, dass alle relevanten Akteur_innen im Sozialraum berücksichtigt werden sollen. Gleichzeitig ist es aus fachlicher Perspektive notwendig, den Fokus auf Themen zu richten, die benachteiligte Personen(gruppen) einbringen oder die dem Gemeinwohl dienen. Eine bewusste Auseinandersetzung damit, mit welchen Maßnahmen das FPT11 Partikularinteressen stützt bzw. einzelne Personen(gruppen) stärkt, die bereits organisiert sind, ist ständig von Nöten.
Im oben genannten Beispiel kollidiert der Wunsch einer Anrainerin nach Ruhe mit jenem der jugendlichen Nutzer_innen, die immer wieder von Verdrängung aus öffentlichen Räumen betroffen sind. Im konkreten Fall ist das FPT11 regelmäßig im Park anzutreffen, setzt Kontaktangebote und pflegt Kontakte zu den unterschiedlichen Nutzer_innen(gruppen). Geltende Regelungen und Gesetze in Bezug auf die Nutzung der öffentlichen Räume werden im Sinn der Transparenz allen Beteiligten mitgeteilt. Die Anrainerin wird ermutigt, selbst in Kontakt zu den Jugendlichen zu treten und in einem direkten Gespräch für ihre Interessen einzustehen. Die Jugendlichen werden in Gesprächen darauf hingewiesen, dass ihr Verhalten bzw. ihre Gespräche von Dritten wahrgenommen werden. Gleichzeitig wird vom FPT11 außer Streit gestellt, dass sie das Recht zum Aufenthalt im öffentlichen Raum haben. Das Team teilt ihre Einschätzung, dass nur wenige Orte in der Umgebung zur Verfügung stehen, die Treffpunktqualität haben. Das FPT11 sagt zu, das Anliegen der Jugendlichen dem Bezirk zu übermitteln und bei Vernetzungstreffen einzubringen. Gleichzeitig informieren die Mitarbeiter_innen auch darüber, dass die in Wien geltende Nachtruhe nach 22.00 Uhr mit polizeilichen Mitteln durchgesetzt werden kann, sofern dies von Anrainer_innen eingefordert wird.

3.2 Zielgruppen und Parteilichkeit

Das wienweit geltende Rahmenkonzept macht es ausgehend von einer Sozialraum- und Lebensweltorientierung notwendig, dass in den spezifischen Bezirks-bezogenen Angeboten die Adressat_innen unterschiedlich definiert werden. Die „jeweilige(n) kleinräumigen Situationen (z. B. im einzelnen Park)“ (Bildung und außerschulische Jugendbetreuung 2015, 2), sind die Grundlagen für die Entwicklung von Detailkonzepte, die unterschiedliche Adressat_innen (etwa nach Alter, Geschlecht, sozialer Lage,...) definieren. Auf eine sozialräumliche Analyse begründet ermöglicht das Rahmenkonzept sogar, dass die Hauptadressat_innen in einem Park Senior_innen sind, während es in einem anderen Park Kinder sind.
Möglich werden diese Unterschiede dadurch, dass im Rahmenkonzept die Fokussierung auf benachteiligte Nutzer_innen(gruppen) im öffentlichen Raum gelegt wird. Die Definition, welche Bevölkerungsgruppen am jeweiligen Ort als benachteiligt gelten – und ob es z. B. jene sind, die unterrepräsentiert sind, den öffentlichen Raum nicht nutzen oder die ihn intensiv nutzen, aber von Marginalisierungs- oder Verdrängungsprozessen bedroht sind, soll in den Teams und innerhalb der vor Ort tätigen Vereine geklärt werden.
Entscheidungen, wie sich das Team im Anlassfall verhält, werden intern getroffen, ein Kriterienkatalog dazu existiert nicht. Mit beschränken Ressourcen stellt sich in der Praxis die Frage, ob tatsächlich fachlich fundierte und reflektierte Entscheidungen getroffen und auch regelmäßig überprüft werden können. Besonders herausfordernd ist dies aufgrund der Dynamik in öffentlichen Räumen, in denen sich Verhältnisse, Funktionszuschreibungen, Gestaltungen und Nutzungen, bzw. Bedürfnisse von Nutzer_innen schnell verändern (können). Das Rahmenkonzept lässt auch zu, dass die Teams eine stärker vermittelnde Rolle einnehmen können, die unterschiedliche Nutzer_innen(gruppen) der öffentlichen Räume gleichzeitig in den Blick nimmt. Das führt zu Herausforderungen bis zu professionellen Zumutungen für die Teams.
Im dargestellten Praxisbeispiel könnten Mädchen und Frauen, die nur an einem Nachmittag vom FPT11 am Ort angetroffen werden und sich nicht alle Bereiche der Parkanlage angeeignet haben, als benachteiligt gelten. Ältere Personen hat das Team aber gar nicht angetroffen – unter Umständen nutzen diese den Raum nicht mehr, da sie von Verdrängungsprozessen betroffen waren. Männliche Kinder und Jugendliche haben sich im Beispiel die Frei- und Zwischenräume bereits angeeignet und halten sich auch bei Schlechtwetter in diesen auf. Ihre häufigere Präsenz und ihr Auftreten führen zur Dominanz dieser Teilzielgruppe am Ort. Gleichzeitig haben (männliche) Kinder und Jugendliche, besonders jene, die aus sozial benachteiligten Familien stammen, kaum andere Möglichkeiten, ihre Freizeit zu verbringen. Genau die gleiche Tatsache trifft in obigem Beispiel auf die Gruppe Männer zu, die Gespräche führen und denen zugeschrieben wird, Alkohol zu konsumieren. Der Park ist, der Beobachtung des FPT11 folgend an vielen Tagen stark männlich dominiert, was unter Umständen das „subjektive Sicherheitsgefühl“ [2] von bestimmten Menschen beeinflussen könnte.
Das FPT11 hat die Möglichkeit die unterschiedlichen Bedürfnisse und Nutzungen aufzuzeigen, aber auch zu thematisieren, welche Personen(gruppen) nicht am Ort angetroffen werden. Eine vorsichtige Einschätzung kann in qualitativer Hinsicht dadurch gegeben werden, dass das Team kontinuierlich an den einzelnen Orten präsent ist und mit unterschiedlichen Adressat_innen Gespräche führt und mit einem sozialräumlichen Blick Veränderungen am Ort, in der Umgebung und im Nutzungsverhalten wahrnimmt. Das FPT11 hat es sich zum Ziel gesetzt, die unterschiedlichen Wünsche, Nutzungen und Bedürfnisse allen Beteiligten gegenüber transparent zu machen, sowohl den Nutzer_innen, Anrainer_innen, Multiplikator_innen und besonders auch Entscheidungsträger_innen. Das FPT11 legt dabei die eigene fachliche Positionierung offen. Möglichst vielen unterschiedlichen Personen(gruppen) die Positionen und Bedürfnisse der jeweils „Anderen“ zu vermitteln, trägt dazu bei, dass die unterschiedlichen Akteur_innen sich miteinander auseinandersetzen und den Standpunkt anderer Beteiligter unter Umständen zwar nicht teilen, aber nachvollziehen können. In dieser Hinsicht vermittelt das FPT11 zwischen unterschiedlichen Lebenswelten und -realitäten und leistet so auch Bildungsaufgaben.

3.3 Zwischen Zielgruppen und Raum

FAIR-PLAY-TEAMs sind mit einem dezidiert raumbezogenen Auftrag konfrontiert. Die Arbeit bezieht sich auf den öffentlichen Raum. Im Gegensatz zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit ist also nicht eine bestimmte Zielgruppe der Ausgangspunkt der Sozialen Arbeit, sondern es sind die Akteur_innen im Raum.
Der Ort wird von wechselnden Personen(gruppen) zu unterschiedlichen Zeiten intensiv oder extensiv genutzt. Für jede dieser Personen hat die Nutzung eine eigene, subjektive Bedeutung. Manche Nutzer_innen sind auf den konkreten Ort angewiesen, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen, andere haben die Möglichkeit, auf andere Plätze auszuweichen. In Bezug auf die von der Planung und Gestaltung vorgesehene Nutzung und die tatsächliche Aneignung der einzelnen Räume sind die FAIR-PLAY-TEAMs ebenfalls mit Fragen der Mehrfachmandatierung konfrontiert: Welchen Nutzungen und durch welche Altersgruppen ist der Vorzug gegeben, wenn eine gleichzeitige Nutzung durch unterschiedliche Personen(gruppen) aufgrund der räumlichen Bedingtheit nicht möglich oder von einzelnen Beteiligten nicht erwünscht ist? Dabei kann es sich zum Beispiel um die gleichzeitige Nutzung des Ballspielplatzes durch Kinder und junge Erwachsene handeln oder die Frage, ob Sitzgelegenheiten von erwachsenen Begleitpersonen spielender Kinder oder von Jugendgruppen frequentiert werden sollen. Sind die von Planungsseite vorgesehenen Nutzungsoptionen höher zu bewerten als die tatsächliche Aneignung der Aufenthaltsbereiche durch die Bevölkerung? Wie intensiv sollen Aneignungsprozesse von den FAIR-PLAY-TEAMs oder von der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bzw. auch von anderen Einrichtungen der Gemeinwesenarbeit angestoßen und begleitet werden?
Der starke sozialräumliche Bezug kann als Chance und als Herausforderung für die fachliche Arbeit gesehen werden. Die unmittelbare Verknüpfung von Raum und Nutzer_innen, ihren Bedürfnissen und ihrem Verhalten sowie den unterschiedlichen Interessen, die der Raum (in diesem Beispiel der Park) befriedigen soll, können eine Basis für Aushandlungs- und Beteiligungsprozesse sein.
Der Raum an sich sowie seine intendierte Nutzung als Frei- und Erholungsraum für alle Menschen (vgl. Mission Statement in: Beratungsgruppe Soziale Arbeit im öffentlichen Raum 2016) steht konzeptionell außer Streit. Die mannigfaltigen Möglichkeiten der Nutzungen, die der Raum bietet, können für alle Nutzer_innen als Anregung betrachtet werden, sich selbst einzubringen und auszudrücken. Diese Basis kann eine gelingende Grundhaltung sein, um sich an Aneignungs- und Aushandlungsprozessen zu beteiligen.

3.4 Schnittstelle zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Die Umsetzung der FAIR-PLAY-TEAM-Arbeit liegt in der Verantwortung von Vereinen, die in erster Linie Aufgaben der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) übernommen haben und im Zuge der Etablierung der OKJA in den 1980er bis 1990er Jahren erst entstanden sind. Während diese Vereine historisch der OKJA „verschrieben“ sind, sind diese nun gefordert ein Angebot umzusetzen, das die Zielgruppen über Kinder und Jugendlich erweitert und es auch notwendig macht, die Fragen nach der Parteilichkeit der Arbeit in den Vereinen neu zu klären. Die Anbieter sind gefordert sowohl parteiliche OKJA weiterhin anzubieten genauso wie die FAIR-PLAY-TEAMs mit ihrem stärker raumbezogenen Angebot. Dies führt zu Herausforderungen in Bezug auf die anbieterinterne fachliche Auseinandersetzung, aber auch für die internen Strukturen, sowie die Frage nach der Kommunikation, Kooperation, sowie der Abgrenzung zwischen den unterschiedlichen Angeboten innerhalb des jeweiligen Vereins.
Die Verankerung der FAIR-PLAY-TEAMs in der Wiener Kinder- und Jugendarbeit und die Zuständigkeit der MA13 für beide Angebote soll ein gegenseitiges „Ausspielen“ der teilweise gegenläufigen Interessen der Angebote (vor allem auch in Hinblick auf ihre personelle und finanzielle Dotierung) hintan halten. Auch wenn auf Bezirksebene ein Druck dahingehend aufgebaut wird bzw. werden sollte, ist die eindeutige Position der MA13 die, dass die parteiliche Offene Kinder- und Jugendarbeit abgesichert sein muss und die FAIR-PLAY-TEAMs zusätzliche Angebote darstellen. Umso klarer müssen vor diesem Hintergrund die fachliche Positionierung der FAIR-PLAY-TEAMs und auch die Abgrenzung bzw. die Schnittstellen zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit definiert sein. Die Abgrenzungen zwischen den Angeboten der OKJA und er FAIR-PLAY-TEAMs können in den unterschiedlichen Sozialen Räumen und Bezirken sehr unterschiedlich ausfallen. Das Rahmenkonzept ermöglicht es, dass das FAIR-PLAY-TEAM einmal eher als Unterstützung bzw. Ergänzung der OKJA positioniert ist, in einem anderen sozialräumlichen Bezug eher als vermittelnde Instanz, oder als Angebot, das sich für die Interessen von Erwachsenen einsetzt. Eine wienweit einheitliche fachliche Positionierung der FAIR-PLAY-TEAMs ist daher sehr schwierig.
Das Praxisbeispiel aus dem 11. Bezirk zeigt, dass FAIR-PLAY-TEAMs in Interessensgegensätze zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit gelangen können: Für das FPT11 ist eine reflexiv parteiliche Haltung für die sich im Park aufhaltenden Kinder und Jugendlichen nicht im gleichen Maß unumstößlich, wie das für die Offene Kinder- und Jugendarbeit (mit voller Berechtigung!) der Fall ist. Im – in diesem Praxisbeispiel nicht eingetretenem – Fall, dass sich die Jugendlichen durch von Marginalisierung betroffenen Erwachsenen in ihrer Nutzung des Parks beeinträchtigt fühlen, wäre die Differenzierung zwischen einem parteilichen Eintreten für die Zielgruppe Jugendliche sowie der parteilichen Haltung für benachteiligte Menschen, die ein Recht auf die Nutzung öffentlicher Räume haben, nochmals schwieriger.
Der Park im oben genannten Beispiel wird sowohl von der aufsuchenden Jugendarbeit, als auch vom FPT11 regelmäßig besucht – ein regelmäßiger Austausch zwischen den Angeboten bzw. ein Wissenstransfer ist daher notwendig. Dabei stellen sich fachliche Fragen wie jene nach der Verschwiegenheitspflicht bzw. der Weitergabe von Informationen und, wie damit umgegangen werden soll, wenn die Kolleg_innen der unterschiedlichen Angebote eine Situation fachlich unterschiedlich einschätzen? Im FPT11, das eines von drei Angeboten desselben Trägervereins im Bezirk ist, hat es sich bewährt, die jeweils eigenen Zielsetzungen, Arbeitsweisen und Beschränkungen der drei Angebote immer klar vor Augen zu haben. Bei der Auseinandersetzung rund um Themen, die Angebote der OKJA und das FAIR-PLAY-TEAM betreffen, ist eine Klärung notwendig, welche Aufgaben durch welche Angebote übernommen werden können, welche Ziele in Übereinstimmung stehen, durch welche unterschiedlichen Methoden diese erreicht werden können, und welche Beschränkungen aufgrund der unterschiedlichen Aufträge gegeben sind.
In vielen Fällen verfolgen die Offene Kinder- und Jugendarbeit und die FAIR-PLAY-TEAM Angebote ähnliche Teilziele. Die Fokussierung bzw. Spezialisierung auf einzelnen Teilzielgruppen (z. B. jugendliche Mädchen, Erwachsene,...) und das Einsetzen verschiedener Methoden zur Zielerreichung ermöglichen es, dass unterschiedliche Nutzer_innen besser erreicht werden können.
Diese Klarheit, welche Kernkompetenzen die unterschiedlichen Angebote haben, welchen Mehrwert sie für welche Bevölkerungsgruppen bedeuten und auch mit welchen Methoden sie arbeiten, ist den beauftragenden Stellen, besonders den Bezirken gegenüber wichtig. Nur so kann vermieden werden, dass – um Kosten zu sparen – ein Angebot der Sozialen Arbeit gegen das andere ausgespielt wird.

3.5 Projektarbeit vs. Kontinuität

Das Spannungsfeld zwischen punktueller Intervention und Projektarbeit, sowie einem kontinuierlichen Handeln im öffentlichen Raum tut sich aus mehreren Gründen auf: Zum Einem ergibt sich dies aufgrund der Rahmenbedingungen für die FAIR-PLAY-TEAMs, die in Wien teilweise ganzjährig, teilweise aber nur saisonal finanziert sind. Die saisonalen Angebote bringen im Vergleich zu den ganzjährigen eine erhöhte Mitarbeiter_innen-Fluktuation, eine losere Eingliederung in den Trägerverein und eine geringere Intensität der Vernetzung mit sich. Zum anderen ergeben sich Herausforderungen aus der Notwendigkeit, auf aktuelle Entwicklungen im dynamischen sozialen Raum zu reagieren. Der Anspruch, beobachtete Themen nicht nur punktuell (z. B. im Sinn eines Beschwerdemanagements) zu bearbeiten, sondern die dahinterliegenden Interessenslagen und Prozesse aufzugreifen und allen Beteiligten zugänglich zu machen, benötigt eine intensive Auseinandersetzung über längere Zeit hinweg. Um Lösungsvorschläge, die idealerweise von den Betroffenen selbst eingebracht werden oder durch Diskussionsprozesse mit diesen entstanden sind, einer breiteren Öffentlichkeit bzw. der Verwaltung zugänglich zu machen, bedarf es (zum Teil öffentlichkeitswirksame) Veranstaltungen und einer Sichtbarmachung der Thematik am jeweiligen Ort. Wenn kontinuierliche Arbeit und Beziehungspflege sowie die Beobachtung und Dokumentation von Ereignissen über einen längeren Zeitraum hinweg nicht möglich sind, laufen die FAIR-PLAY-TEAM Angebote Gefahr, nur punktuelle Konfliktbearbeitung zu betreiben bzw. ausschließlich als „Krisenfeuerwehr“ zu agieren.
Im dargestellten Fallbeispiel wäre nach Kontaktaufnahme mit der Anrainerin, die sich durch die Lärmentwicklung im öffentlichen Raum gestört fühlt und einem Gespräch mit den Jugendlichen sowie ein eventuelles Aufsuchen des Orts an den folgenden Tagen an denen die Jugendlichen erneut auf die Bedürfnisse der Anrainer_innen hingewiesen werden der Auftrag im Rahmen eines punktuellen Konfliktmanagements erledigt. Im Sinn einer kontinuierlichen Arbeit und der Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen ist es für das FPT11 aber ein Ziel, einen persönlichen Austausch zwischen den Gruppen zu ermöglichen und die unterschiedlichen Interessen und Wünschen der jeweils anderen Seite transparent zu machen. Im konkreten Fall wird den Verantwortlichen im Bezirk durch einen monatlichen Bericht weitergegeben, dass es kaum Räume mit Aufenthaltsqualität gibt, welche aber große Bedeutung für die Bevölkerung hätten.
Auch bei ganzjährig tätigen Teams stellt sich die Frage nach der Priorisierung ihrer Aufgaben- und Tätigkeitsbereiche (siehe die professionelle Handlungsansätze zur Zielerreichung im Rahmenkonzept) ständig neu. Geringe Personalressourcen, die Bearbeitung von Schwerpunkten bzw. die Begleitung von Beteiligungs- und Mitgestaltungsprozessen und die Ermöglichung langfristiger Veränderungen in einzelnen öffentlichen Räumen machen es schwierig, überall in gleichem Ausmaß tätig sein zu können. Das – wenngleich grobe – aktuelle Wissen über die Situation in allen aufgesuchten öffentlichen Räumen im Bezirk [3] ist allerdings Voraussetzung dafür, dass das FAIR-PLAY-TEAM bei aktuellen Anliegen auf bereits vorhandene Kontakte aufbauen und in Beziehung zu Schlüsselpersonen treten kann. So ist es auch möglichen zu überprüfen, ob eine von dritter Seite geäußerte Wahrnehmung (wie die auftretenden „Suchtkranken“ aus dem Beispiel) den Beobachtungen der Fachkräfte entspricht. Um hier nicht wiederum in die Gefahr zu geraten, „Krisenfeuerwehr“ zu spielen, kann eine klare Abgrenzung des Teams hinsichtlich der besuchten Orte oder der Themen, die vom Team als Auftrag entgegen genommen werden, hilfreich sein. Es ist daher auch im Sinn einer qualitätsvollen Sozialen Arbeit, bestimmte Aufträge abzulehnen. Dies können jene sein, für die es spezialisierte Einrichtungen gibt, die beigezogen werden können (wie etwa beim Aufenthalt von Personengruppen, die regelmäßig illegale Suchtmittel im öffentlichen Raum konsumieren), oder Orte, an denen andere Einrichtungen Schwerpunkte setzen.

3.6 Sichtbarkeit im öffentlichen Raum und Abgrenzung zu ordnungspolitischen Ansprüchen

FAIR-PLAY-TEAMs sind mit nach außen sichtbaren Merkmalen, wie Taschen, T-Shirts oder Jacken ausgestattet. Für die Nutzer_innen der öffentlichen Räume soll sichtbar bleiben, dass die Mitarbeiter_innen in einem öffentlichen Auftrag unterwegs sind. Das ist – sowohl in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit als auch bei FAIR-PLAY-TEAMs –  fachlich umstritten. Die Sichtbarkeit und vor allem die Zuordnung zu bekannten Trägern der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bzw. der Stadt Wien sichert eine Transparenz in Hinblick auf den Auftrag in den besuchten öffentlichen Räumen. Das ermöglicht Adressat_innen, sich von Interaktionen durch ein FAIR-PLAY-TEAM auch abzugrenzen. Gegen die Sichtbarkeit spricht die mögliche Zuschreibung eines ordnungspolitischen Auftrags sowie die Stigmatisierung der besuchten Orte und der Personen, die in Austausch mit den FAIR-PLAY-TEAMs treten. Kritisch gesehen wird auch, dass bereits durch die Sichtbarkeit (ordnungspolitische) Interventionen im öffentlichen Raum gesetzt werden. Das Interesse, dass politisches Handeln durch das Angebot im öffentlichen Raum sichtbar wird, erschwert die Abgrenzung zu ordnungspolitischen Aufträgen zusätzlich. 
Die Distanzierung von ordnungspolitischen Aufgaben kann durch alltagsnahe Gegenstände erfolgen. Die Gestaltung der Kleidung und Taschen wurde unter starker Einbeziehung der Vereine und Mitarbeiter_innen vorgenommen. Die Abgrenzung zu ordnungspolitischen Aufgaben beschränkt sich aber nicht nur auf den Umgang mit der Sichtbarkeit. Mindestens ebenso von Bedeutung sind die Zusammensetzung, das Auftreten der Teams und das konkrete Handeln der Mitarbeiter_innen im öffentlichen Raum. Ein kommunikatives Handeln und eine offene Körpersprache sind dabei ebenso wichtig, wie eine in Gesprächen klar formulierte Abgrenzung zu ordnungspolitischen Ansprüchen und Aufgaben.
Weiters stellt sich die Frage, an welchen Orten bzw. bei welchen Gegebenheiten die Mitarbeiter_innen mit ihrem sozialarbeiterischen Auftrag intervenieren sollen oder müssen. Soll eine reflexive Soziale Arbeit mit allen Zielgruppen und an allen Orten Kontakt aufnehmen, oder sollen bestimmte Nischen in öffentlichen Räumen bzw. bestimmte Lebenswelten von den Teams nicht „bearbeitet“ werden? Inwiefern wirkt sich die Nichtbeachtung von oder auch Fokussierung auf einzelne Räume bzw. Nutzungen auf den Charakter der öffentlichen Räume und der Lebenswelten aus? Aus der Praxis der Offenen Kinder- und Jugendarbeit heraus ist es klar, dass nicht alle Aufenthaltsräume der Zielgruppen „pädagogisiert“ werden sollen, sondern dass den Adressat_innen der Angebote die Möglichkeit geboten wird, sich Nischen, in denen keine aufsuchende bzw. herausreichende Arbeit im Stadtteil stattfindet, bestehen sollen. Für die FAIR-PLAY-TEAM Angebote muss dieses Prinzip neu diskutiert werden.
Wenn sich das FAIR-PLAY-TEAM dazu entscheidet, Handlungen im Öffentlichen Raum zu setzen, sichtbar zu sein und aktiv in Kontakt mit den Nutzer_innen am Ort zu treten, stellt sich in der Folge die Frage, wie dieses fachliche, für die Gesprächspartner_innen sehr alltagsnahe Handeln, dokumentiert wird, welche Informationen das Team weitergibt, ohne Druck auf die Nutzer_innen auszuüben oder wie verhindert wird, dass durch die Dokumentation nicht beabsichtigen Interventionen von dritter Seite erfolgen.
Im genannten Praxisbeispiel ist das FPT11 im Raum sichtbar und sowohl durch das Auftreten als auch durch die Kleidung präsent. Es wird von Nutzer_innen, die sich regelmäßig am Ort aufhalten, bereits aus der Entfernung erkannt. Die klare Erkennbarkeit ermöglicht es, dass Nutzer_innen (im Beispiel die Jugendlichen, die das Team grüßen, aber nicht aktiv das Gespräch suchen) selbst entscheiden, ob, und wenn ja, wann sie in Beziehung zu den Mitarbeiter_innen treten. Hinsichtlich der Auftragsklärung kann die Sichtbarkeit, die die FAIR-PLAY-TEAMs von Mitarbeiter_innen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit unterscheidet hilfreich sein, um auf die unterschiedlichen Zielsetzungen und Aufgaben der Angebote hinzuweisen.

3.7 Gestaltungsmöglichkeiten und Beschränkungen

Die FAIR-PLAY-TEAMs sind ein kommunikatives Angebot, dass nur indirekt auf Raumgestaltung und Regulierung einwirken kann. FAIR-PLAY-TEAMs können Mängel in der Ausstattung oder auch problematische Regulierungen bzw. Verdrängungsprozesse aber thematisieren. Ähnliches gilt für Themen, die zwar im öffentlichen Raum sichtbar werden, aber übergeordnete Ursachen haben (wie z. B. Transformationsprozesse einer wachsenden Stadt, in der Vielfalt und soziale Ungleichheit zunehmen).
Da die FAIR-PLAY-TEAMs über keine formale Zuständigkeit in Bezug auf die Gestaltung und Regulierung des öffentlichen Raums verfügen, eröffnet sich die Möglichkeit, dass diese eine vermittelnde Rolle zwischen unterschiedlichen Akteur_innen wahrnehmen. FAIR-PLAY-TEAMs können mit den zuständigen Stellen, aber auch mit unterschiedlichen Nutzer_innen kommunizieren, Informationen zwischen diesen Akteur_innen weitervermitteln, oder die Akteur_innen zur direkten Kommunikation z. B. über Runde Tische anregen.
Da die Teams kaum über Möglichkeiten verfügen, konkrete Änderungsprozesse anzuregen bzw. zu bewirken, besteht die Gefahr, dass die Arbeit der Teams von den Nutzer_innen des öffentlichen Raums als wirkungslos oder wenig sinnvoll wahrgenommen wird. Die Transparenz darüber, dass die Gestaltungsmöglichkeiten beschränkt sind, dass durch Vernetzungstätigkeit aber sehr wohl Änderungen erreicht werden können und eine Fokussierung darauf, dass auch die jeweiligen Gesprächspartner_innen zu positiven Veränderungsprozessen beitragen können, ist wesentlich.
Die FAIR-PLAY-TEAM-Angebote haben außerdem keine Ressourcen bei individuellen Problemlagen wie z. B. Armutsgefährdung oder psychischen sowie sozialen Notlagen zu bearbeiten oder kontinuierliche Unterstützung zu bieten. Oft zeigen sich diese Lebenslagen jedoch gerade im öffentlichen Raum. Eine kritische Reflexion der eigenen Rolle sowie der Möglichkeiten der Arbeit sind ebenso wesentlich, wie das Wissen über andere Einrichtungen bzw. die Vernetzung mit Einrichtungen, die die Ressourcen und die fachliche Spezialisierung mitbringen, um hier unterstützend wirken zu können.
Teamintern ist es aufgrund dieser Beschränkungen wichtig, genau zu definieren, in welchen Bereichen Handlungs- und Gestaltungsspielräume für die Mitarbeiter_innen bestehen und wie diese gelingend genutzt werden können. Die Klarheit, was Erfolge im Rahmen der Arbeit sein können und wie diese erkannt werden können ist von großer Bedeutung. Häufig stellen vordergründig nur schwer erkennbare Veränderungen bereits Erfolge dar. Noch schwerer ist es, die Abwesenheit bzw. nicht stattfindende Eskalation von Konflikten als mögliche positive Veränderung wahrzunehmen. Genau diese Veränderungen müssen aber als Erfolge erkannt und festgehalten werden, um so auch die vorbeugende Arbeit die die FAIR-PLAY-TEAM Angebote leisten zu dokumentieren.

Ein Erfolg der Arbeit kann darin bestehen, dass Nutzer_innen durch das FAIR-PLAY-TEAM die Möglichkeit erhalten, ihre Betroffenheit oder ihre subjektive Angst auszudrücken, wie im Praxisbeispiel die Anrainerin, zu der telefonisch Kontakt aufgenommen wurde. Solche Gespräche ermöglichen nicht nur dass Nutzer_innen Druck und Frust abladen konnten sondern auch, dass Menschen ihre Bedürfnisse zum Ausdruck bringen und Außenstehenden gegenüber formulieren können. Nicht immer muss es dabei um die Umsetzung von Interessen gehen. Manchmal ist es für Nutzer_innen wichtig, dass sie von einer Stelle, die im Auftrag der Stadt tätig ist, gehört und ernst genommen wurden. Die Gespräche, die die FAIR-PLAY-TEAMs führen, ermöglichen aber auch Reflexion der Betroffenen und Entwicklung von Verständnis zwischen den unterschiedlichen Nutzer_innen(-gruppen). Das wiederum ist die Basis dafür, dass Kompromisse und Aushandlungsprozesse gestaltet werden können. Die Gespräche mit den Nutzer_innen im öffentlichen Raum können auch als Teil von Bildungsprozessen gesehen werden. Die Reflexion darüber, was sich in der Stadt verändert und wodurch diese Veränderungen verursacht werden, macht es möglich, dass Menschen besser mit Transformationsprozessen umgehen können. Ein weiteres Beispiel für einen Erfolg ist es, dass Maßnahmen aufgrund der Erhebungen und Berichte der FAIR-PLAY-TEAMs gesetzt werden. Kommunalpolitische Entscheidungen beziehen sich dann nicht auf den Einfluss einzelner Beschwerdeführer_innen, sondern auf eine fachlich argumentierte Analyse. Der geschulte und erfahrene Blick auf diese Erfolge ist daher von großer Bedeutung für die Arbeit, auch um Frustrationen der Mitarbeiter_innen und die tatsächliche Wirkung der Arbeit im Sinne der Auftragserfüllung nicht aus dem Blick zu verlieren.

Wie im Praxisbeispiel gezeigt stellen der teaminterne Austausch und strukturierte Teambesprechungen, bei denen gemeinsam die nächsten Arbeitsschritte definiert werden, sowie eine detaillierte Dokumentation der Arbeitsläufe wesentliche interne Steuerungsmaßnahmen dar, die Projektfortschritte sowie die geleistete Arbeit – zu allererst auch für das Team – sichtbar machen.

4. Schlussfolgerungen und Ausblick

Das vorliegende Rahmenkonzept fordert die Anbieter_innen der FAIR-PLAY-TEAMs heraus, fakten-basierte sozialräumliche Detailkonzepte für die jeweiligen FAIR-PLAY-TEAMs vorzulegen und auf die Angebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit abzustimmen. Diese Arbeit wird aktuell in den Vereinen geleistet, ist aber abhängig von den jeweiligen Rahmenbedingungen, mit denen die Anbieter_innen konfrontiert sind (Ressourcen, Fachtraditionen, sozialräumliche Gegebenheiten). In Zukunft wird sich die Frage stellen, wie mit einem Rahmenkonzept und den vielen, in den einzelnen Bezirken erarbeiteten unterschiedlichen Detailkonzepten umgegangen werden kann, die stark voneinander abweichen. Die Kommunikation und Begründung der Zielsetzungen, Methoden und Arbeitsinhalten den Auftraggeber_innen gegenüber und in der Öffentlichkeit wird eine zukünftige Herausforderung darstellen.
Die Reflexion in diesem Beitrag zeigt, dass es eine Herausforderung ist, Zielgruppen bzw. Adressat_innen zu definieren, wenn der Raum der Ausgangspunkt der Arbeit ist. Es stellt sich die Frage, an wen die FAIR-PLAY-TEAM Angebote adressiert sind, für welche Zielgruppen das Team sich im Sinne einer Parteilichkeit einsetzt, wer als Nutzer_innen zu verstehen sind, ob Anrainer_innen und Akteur_innen der kommunalen Politik bzw. Verwaltung als Adressat_innen der Arbeit gelten. Ein vorläufiges Ergebnis der Reflexion könnte für die Begriffsklärung folgendes Bild ergeben:
Von Bedeutung ist die Definition von Hauptzielgruppen, auf die sich die Arbeit in dem Sinn parteilich bezieht, dass die Interessen dieser Menschen unterstützt werden.
Die Frage der Parteilichkeit stellt sich situationsbezogen allerdings immer wieder neu: Welche sozialräumlichen Akteur_innen benötigt tatsächlich Unterstützung und wie verändert sich die Situation auch durch die Intervention der Sozialen Arbeit? Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob auch Anrainer_innen als Nutzer_innen der öffentlichen Räume zu sehen sind, auch wenn diese die öffentlichen Räume nicht im herkömmlichen Sinn nutzen, sondern nur Ansprüche an ihn haben. Dabei stellt sich die Frage, welche Ansprüche tatsächlich berechtigt sind, wie die Fragen nach Nachtruhe, oder „Sauberkeit und Ordnung“ und was hinter diesen Ansprüchen steckt (Normvorstellungen, die sich gegen abweichendes Verhalten richten, oder Unsicherheit, wie mit „dem Anderen“ umgegangen werden kann).
Deutlich wird auch, dass bei den lokalen FAIR-PLAY-TEAM Konzepten, die darauf ausgerichtet sind, vom Raum ausgehend möglichst alle Nutzer_innen in den Blick zu nehmen, immer auch die Gefahr besteht, Positionierungen für schwächere Akteur_innen zu übersehen. Der wertschätzende vermittelnde Zugang zu allen Nutzer_innen macht es schwieriger sich auch klar zu positionieren.
Schließlich richtet sich die Arbeit der FAIR-PLAY-TEAMS auch an Akteur_innen der Verwaltung und Politik, durchaus auch in dem Sinne, schwächerer Nutzer_innen zu schützen und auf Entscheidungsträger_innen in deren Sinne parteilich einzuwirken. So betrachtet stellen auch die Akteur_innen der Politik und Verwaltung Adressat_innen der Soziale Arbeit dar, obwohl diese eine Funktion als Auftraggeber_innen der FAIR-PLAY-TEAM Arbeit haben.
Soziale Arbeit braucht – so eine gängige Floskel – Zeit und Beziehung. Im Sinn einer Fokussierung auf die Zielsetzung der FAIR-PLAY-TEAM Angebote, Soziale Arbeit im Öffentlichen Raum zu leisten und nicht als „Krisenfeuerwehr“ zu fungieren, benötigt diese vielschichtige Tätigkeit eine möglichst kontinuierliche Bearbeitung der Themen. Saisonale Beschränkungen, die auch eine hohe Fluktuation der Mitarbeiter_innen bedingen und den Wissenstransfer über längerfristige Prozesse nahezu verunmöglichen, konterkarieren dieses Ziel. Sozialräumliche Prozesse, die sich über Zeiträume hinweg entwickeln und deren Bearbeitung nicht an kalendarische Daten geknüpft ist, erfordern auch von den Mitarbeiter_innen und auf der Leitungsebene eine Prozessorientierung und Fokussierung auf längerfristig zu erreichende Ziele. Dies ist auch notwendig um, wie bereits problematisiert, Erfolge bzw. Veränderungen sichtbar zu machen und als Wirkung der Arbeit des FAIR-PLAY-TEAMs wahrzunehmen.
Reflexive Parteilichkeit stellt sich als eine professionelle Zumutung dar, aber auch als notwendiger Bestandteil des professionellen Arbeitens. Konsequenterweise kann diese Arbeit nur professionell geleistet werden, wenn Zeit für sozialräumliche Analysen und Reflexionen (im Team, Supervision) vorhanden ist, aber auch entsprechend ausgebildete Mitabeiter_innen und fachliches Wissen bei den Anbieter_innen.
In diesen komplexen sozialräumlichen Situationen stellt es eine Herausforderung dar, Erfolge zu definieren und zu erkennen. Eine klare fachliche Positionierung ist auch in Bezug darauf eine Grundlage dafür, Erfolge zu erkennen. Zukünftig wird sich auch die Frage stellen, wie Erfolge auch konzeptionell definiert und (qualitativ(!) und quantitativ) gemessen werden können.
Mittelfristig stellt sich die Frage, wie sich die Arbeit der FAIR-PLAY-TEAMs tatsächlich auf die Nutzer_innen auswirkt. Werden die Nutzer_innen gestärkt, die benachteiligt sind, oder werden sie aufgrund dauernder Interventionen aus dem öffentlichen Raum verdrängt bzw. weichen sie auf andere Räume aus. Ohne diese Frage zu beantworten, kann auch keine abschließende Klärung erfolgen, ob bzw. wenn ja welche fachliche Berechtigung die FAIR-PLAY-TEAMs haben. Können die professionellen Interventionen im öffentlichen Raum den im Rahmenkonzept definierten Ansprüchen einer emanzipatorischen Sozialen Arbeit gerecht werden oder werden in der Praxis der Arbeit Menschen bevormundet und Selbstorganisationsprozesse der Aneignung und Konfliktaushandlung behindert? In letzterem Fall wäre die Praxis der FAIR-PLAY-TEAM Angebote in Widerspruch zum gültigen Rahmenkonzept und der dort definierten Zielsetzungen schlussendlich doch als Instrument der Ordnungspolitik wirksam.
Sowohl das Konzept, aber auch die hier dargestellte Praxis deuten allerdings auf den Versuch hin, Soziale Arbeit im öffentlichen Raum fachlich so zu positionieren, dass sie sich maßgeblich von klassischer Ordnungspolitik unterscheidet, indem sie, einer faktenbasierten sozialräumlichen Grundlage folgend, auf eine verständigungsorientierte Kommunikations- und Aushandlungsarbeit setzt. Durch die explizite Positionierung für den Erhalt der Qualität des öffentlichen Raums besonders auch für die Menschen, die besonders darauf angewiesen sind, unterscheidet sich die FAIR-PLAY-TEAM Arbeit von Maßnahmen und öffentlichen Diskussionen, die darauf ausgerichtet sind, marktkonforme und ordnungspolitisch-dominierte Vorstellungen durchzusetzen. Die FAIR-PLAY-TEAMs haben durch das Rahmenkonzept den expliziten Auftrag, Verdrängungsprozesse politisch und öffentlich zu hinterfragen und zu diskutieren.
Voraussetzung dafür ist, dass die Praktiker_innen, die die FAIR-PLAY-TEAM Angebote umsetzen, diesen ihren von der Stadt Wien zugeschriebenen Auftrag auch bewusst wahrnehmen und diese Haltung gegenüber anderen Ansprüchen auch vertreten. Weiters müssen Mitarbeiter_innen mit der Umsetzung des Angebots betraut werden, die mit den professionellen Aufgaben umgehen wollen und können und bei auftretenden Problemen Unterstützung erfahren sowie genügend Möglichkeit zu Reflexion und Austausch erhalten.

Literatur

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Bourdieu, Pierre (1997): Ortseffekte. In: Bourdieu P. (et al.): Das Elend der Welt. Konstanz, 159-167.

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Diebäcker, Marc (2014): Soziale Arbeit als staatliche Praxis im städtischen Raum. Wiesbaden. Springer VS.

Herrnböck, Julia (2016): Kampfzone Titelblatt – wie Medien die Wahrnehmung beeinflussen. In: NZZ. https://nzz.at/wien/kampfzone-titelblatt-wie-medien-die-wahrnehmung-beeinflussen [15.05.16]

Kessl, Fabian/Reutlinger, Christian (2007): Sozialraum. Eine Einführung. Wiesbaden: VS Verlag.

Lefebvre, Henri (1977): Die Produktion des städtischen Raums. In: AnArchitektur. Bd. 1/2002, 4-20.

Löw, Martina (2001): Raumsoziologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

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Krisch Richard/Stoik Christoph (2012): Soziale Arbeit im öffentlichen Raum – Glossar. In: sozialraum.de (4) 1/2012. http://www.sozialraum.de/soziale-arbeit-im-oeffentlichen-raum-glossar.php [10.12.2012]

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Wacquant, Loic (2009): Bestrafen der Armen. Zur Neoliberalen Regierung der sozialen Ungleichheit. Opladen: Verlag Barbara Budrich.


Fussnoten

[1] Der Begriff „Nutzer_innen“ wird hier in einem sehr weiten Sinn verstanden und inkludiert alle Menschen, die sich im öffentlichen Raum aufhalten, auch wenn deren Aneignungsformen den konzipierten Nutzungen des öffentlichen Raums widersprechen. In der Folge wird der Zielgruppenbegriff reflektiert. Die FAIR-PLAY-TEAM-Arbeit bezieht sich auch auf Menschen, die Ansprüche an den öffentlichen Raum haben, z. B. einen schönen ruhigen Blick aus dem Wohnzimmerfenster als Anrainer_innen, aber auch auch Akteur_innen der Politik und Verwaltung.

[2] Zu überprüfen ist, was sich hintern den jeweiligen „subjektiven Sicherheitsgefühlen“ verbirgt. Werden dominante Normativitätsvorstellungen gegen davon abweichendes Verhalten (z. B. von Jugendlichen oder von Armut betroffenen Menschen) repräsentiert, die medial inszeniert werden? Geht es um diffuse Ängste vor „anderen“ Menschen? Oder stecken hinter subjektiv erlebter Unsicherheit übergeordnete Ängste, vor sozialer Unsicherheit und mangelnder gesellschaftlicher Anerkennung angesichts von Sozialabbau und zunehmenden Konkurrenzdruck am Arbeitsmarkt?

[3] Simmering ist 23,27 Quadratkilometer groß und hat 95.200 Einwohner_innen: https://www.wien.gv.at/bezirke/simmering/ [07.08.16].


Zitiervorschlag

Julia Pollak, Christoph Stoik (2016): FAIR-PLAY-TEAM – Soziale Arbeit gegen die ordnungspolitische Transformation von öffentlichen Räumen in Wien. Eine praxisbezogene kritische Reflexion. In: sozialraum.de (8) Ausgabe 1/2016. URL: http://www.sozialraum.de/fair-play-team.php, Datum des Zugriffs: 29.03.2017

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