Skater auf einer Treppe
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Autor

Dr. Richard Krisch
Verein Wiener Jugendzentren; Päd. Grundlagenreferat; Fachhochschule Campus Wien, Bereich Soziales

Inhalt

  1. 1. Outreach (1990)
  2. 2. Herausreichende Arbeitsformen
  3. 3. Miho - der 1. Jugendtreff mit sozialräumlichem Arbeitsansatz (Eröffnung 1996)
  4. 5. word up! (seit 2001)
  5. 6. 19kmh (Eröffnung 2002)
  6. 7. ACTiN Park (öffentlich zugänglich seit 2002)
  7. 8. Jugendtreff Donaustadt (Eröffnung 2006)
  8. 9. Die erste JugendFH (Durchführung 2007)
  9. 10. Jugendprojekt Aspern und Essling (2008) Think tank &trans tank


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Sarah Dieckbreder-Vedder, Frank Dieckbreder (Hrsg.): Das Konzept Sozialraum (Beispiel Bahnhofsmission). Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2016. 235 Seiten. ISBN 978-3-525-70192-8.
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Ricarda Dethloff: Sozialraum­orientierung im Übergang Schule – Arbeitswelt. Tectum-Verlag (Marburg) 2016. 445 Seiten. ISBN 978-3-8288-3697-6.
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Verein Wiener Jugendzentren - Zur Entwicklung sozialräumlicher Jugendarbeit in Wien

Richard Krisch

Der Verein Wiener Jugendzentren ist der größte Träger der Offenen Jugendarbeit in Österreich und mit über 30 Einrichtungen und über 250 MitarbeiterInnen in den verschiedensten Feldern der Jugendarbeit tätig. (www.jugendzentren.at) Die inhaltliche Ausrichtung des Vereins ist vom Selbstverständnis einer sozialräumlichen Jugendarbeit geprägt, die sowohl den Entwurf neuer Einrichtungen und Projekte, die Entwicklung der Konzeptionen der Jugendzentren/treffs, wie auch das jugendpolitische Selbstverständnis (PDF-Datei, 75 kb) im Stadtteil, wie auch in der Stadt selber bestimmen und begründen. Im folgenden Beitrag wird an Hand der Entwicklung der „Herausreichenden Arbeit" der Jugendzentren die historische Entwicklung der sozialräumlichen Orientierung in Wien beschrieben.

Die Entwicklung sozialräumlicher Arbeitsansätze dabei wurde einerseits durch den intensiven theoretischen Diskurs über die Pädagogik einer sozialräumliche Jugendarbeit bestimmt. Zum anderen wurden in verschiedenen Einrichtungen konkrete sozialräumliche Konzeptionen in der Praxis umgesetzt, vielfältige Erfahrungen gemacht, diese reflektiert und neue Formen Herausreichender Arbeit entwickelt, die wiederum in den inhaltlichen Diskurs einfließen. Anhand einiger historischer Meilensteine lässt sich die Entwicklung dieses Arbeitsansatzes im VJZ beschreiben.

1. Outreach (1990)

Relativ unabhängig von der zur gleichen Zeit einsetzenden inhaltlichen Auseinandersetzung mit einer sozialräumlich orientierten Jugendarbeit ( Die „Pädagogik des Jugendraums" wurde gerade beim Juventa Verlag aufgelegt, Lothar Böhnisch 1991 (Ulrich Deinet dann 1992) zu einem Fortbildungsseminar „Die Pädagogik des Jugendraumes und das Konzept Jugendzentrum - der Ansatz sozialökologischer Jugendarbeit" zu uns nach Wien eingeladen) entstand im ‚Jugendzentrum Großfeldsiedlung' die Idee den Stadtteil aufzusuchen. Getragen war dies von einem eher pragmatischen Zugang: Zum einen waren bedingt durch verschiedene Verdrängungsprozesse nur einige wenige Cliquen im Jugendzentrum anzutreffen, gleichzeitig hielten sich aber viele Jugendliche im öffentlichen Raum auf. Unter dem Titel „Outreach" begannen die MitarbeiterInnen unregelmäßig jene Plätze im Stadtteil aufzusuchen, an denen sich Jugendliche aufhielten und stellten Kontakte zu unbekannten Cliquen und jenen Jugendlichen, die nicht ins Zentrum kamen, her. Dies war für das, im wesentlichen auf „Komm-Strukturen" basierende Konzept des Offenen Jugendarbeit des Vereins Wiener Jugendzentren ein doch ungewöhnlicher Schritt. Gleichzeitig fand auch die Etablierung eines „Regionalteams" statt, über welches regelmäßige Kontakte zu anderen Institutionen (Jugendamt, Schule, Polizei etc.) des Stadtteils hergestellt werden sollten.

2. Herausreichende Arbeitsformen

Parallel dazu entwickelte sich im VJZ eine rege Diskussion und inhaltliche Auseinandersetzung mit der Perspektive einer sozialräumlichen Orientierung und entsprechender konzeptioneller Konsequenzen (PDF-Datei, 14 kb). Vor diesem theoretischen Hintergrund erschienen aktive Vernetzung - auch in fixe, zur Verfügung stehende Arbeitszeiten und Dienstpläne gegossen - und die zur Verfügung Stellung von Ressourcen (Spielmaterial etc.) im Stadtteil als konzeptionelle Erweiterung der Offenen Jugendarbeit. Diese hatte sich ja von der Ideengeschichte der „Offenen Türen" her fast ausschließlich auf den „Raum Jugendzentrum" konzentriert und diesen weniger als „einen Raum unter vielen", welcher spezifische Qualität für Jugendliche entfalten kann, gesehen.
Einige Einrichtungen hatten begonnen Regionalforen aufzubauen und Vernetzung auch als Bestandteil ihrer Arbeit zu sehen. In diesem Diskussionsprozess (Jugendliche bei ihrer konkreten Raumaneignung im Stadtteil zu fördern, Lobbying zu betreiben, etc.) entstand auch die Idee, aktiv andere Räume für Jugendliche zu erschließen. Hier wurden die ersten Turnhallen in Kooperation mit Schulen für Jugendliche geöffnet und Ideen der Mehrfachnutzung - die im Magistrat der Stadt Wien in einer eigenen Stelle entwickelt wurden - aufgenommen. In diesen Regionalforen wurde aber auch die lebens- und alltagsweltliche Situation von Jugendlichen in der Region eingebracht (bspw. Vernetzung mit Schulen, Jugendpolitik usw.) Diese Vorgangsweisen wurden unter dem Begriff „Herausreichende Arbeit" (PDF-Datei, 61 kb) zusammengefasst und damit als mobiles Konzept doch begrifflich auf das Jugendzentrum bezogen.

3. Miho - der 1. Jugendtreff mit sozialräumlichem Arbeitsansatz (Eröffnung 1996)

Herausreichende Jugendarbeit - ein Modellprojekt zur Öffnung der Jugendarbeit in den Stadtteil
Im Projekt Jugendtreff Mitterhofergasse in Wien-Floridsdorf wurde versucht, die nun bestehenden Erfahrungen der Außenorientierung in ein Konzept der standortbezogenen Offenen Jugendarbeit zu gießen.
Der Jugendtreff Mitterhofergasse wurde als Modellprojekt einer sozialräumlichen Konzeption entwickelt. Die inhaltliche Ausrichtung dieser Jugendeinrichtung verfolgte das Ziel, sowohl als Treffpunkt (Komm-Struktur) als auch mit herausreichenden Arbeitsansätzen (Geh-Struktur), die als gleichwertige Arbeitsansätze nebeneinander bestehen, Offene Jugendarbeit - in einem sozialräumlichen Verständnis - zu betreiben. In den Arbeitsplatzbeschreibungen wurden auch Stundenkontingente für Herausreichende Arbeit festgelegt, aber auch Vernetzung, Kooperation und die Nutzung anderer Räume in das Konzept aufgenommen.
Dieses Projekt erscheint auch deswegen beispielhaft, weil der Planungsprozess der Einrichtung die Beteiligung von Jugendlichen und BewohnerInnen der Siedlung - im Rahmen einer umfangreichen sozialräumlichen Analyse - beinhaltete und so die Umsetzung einer siedlungsrelevanten Konzeption, die sich nicht nur auf Angebote im Jugendtreff beschränkt, ermöglichte.
Das mit der Eröffnung im Herbst 1996 umgesetzte Konzept wies ein spezifisches Profil auf, welches die traditionelle Offene Jugendarbeit in einer kleinräumigen Einrichtung mit einer herausreichenden, stadtteilorientierten Arbeitsform in Verbindung (PDF-Datei, 27 kb) setzte. Neben dem Konzept von standortorientierten großen Einrichtungen etablierte sich damit ein weiteres Konzept mit kleinräumiger Ausrichtung und stark herausreichenden Arbeitsansätzen. Dies spiegelte sich auch in der Abkehr vom Begriff „Jugendzentrum" - hin zum „Jugendtreff" wider.

4. VIS- Erweiterung (Konzeptentwicklung 1998)
VIS - Vernetzungsinitiative Simmering: Das Modellprojekt einer sozialräumlichen Gesamtkonzeption für die Region

Die Jugendeinrichtungen im Osten Simmerings - das Jugendzentrum Pantucekgasse, das Jugendzentrum am Muhrhoferweg und der Siedlungstreff Leberberg entwarfen ein Konzept, in dem über vernetzte Zusammenhänge, die Bündelung und Abstimmungen von Ressourcen, die Angebote für die Zielgruppen verknüpft, erweitert und optimiert werden. Entsprechend der räumlichen Möglichkeiten und den Interessen und Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen entstand eine räumliche, zeitliche und auf Zielgruppen abgestimmte Verdichtung von Angebotsschwerpunkten.
Die Teams der drei Einrichtungen erarbeiteten nach ausführlichen Recherchen einen Bedarfskatalog für den freizeitpädagogischen Bereich dieser Region mit einem ganzheitlichen Verständnis für die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen in diesem Bezirksteil. Basierend auf einer umfassenden Situationsanalyse mit dem Fokus auf Angebotsverdichtung, Zielgruppen-Erweiterung unter Berücksichtigung der gesamten Region, wurden neue Wege zur kontinuierlichen Erweiterung und Abstimmung der Angebote der Einrichtungen auf die wechselnden Interessen und Bedürfnisse der jungen StadtteilbewohnerInnen gesucht.
Es entstand eine Gesamtkonzeption für die Region, in der sich die drei Einrichtungen nun nicht mehr als drei unterschiedlich große, parallel arbeitende Zentren verstanden, sondern gemeinsam eine erweiterte Angebotspalette mit noch mehr Möglichkeiten für eine ebenso erweiterte Zielgruppe anboten. Dementsprechend waren auch die MitarbeiterInnen zwar bestimmten Teams zugeordnet, arbeiteten aber in vernetzten Zusammenhängen auch miteinander.

5. word up! (seit 2001)

Jugendparlamente als direkte Beteiligungsmöglichkeit Jugendlicher an gesellschaftlichen (Entscheidungs-) Prozessen in ihrem unmittelbaren sozialräumlichen Lebens- und Wohnumfeld
Der Entwurf der word up! SchülerInnenparlamente (PDF-Datei, 44 kb) des Vereins Wiener Jugendzentren waren ein weiterer bedeutender Schritt der sozialräumlichen Konzeptentwicklung. Diese Form der stadtteilorientierten Kooperationsprojekte mit Schulen der Region sollen Jugendlichen ermöglichen, ihre Anliegen aktiv einzubringen, Forderungen zu entwickeln und ihre Mitgestaltungsmöglichkeiten auszuloten. Diese partizipativen Austauschforen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen unterliegen bestimmten Qualitätsmerkmalen wie jugendgerechten Settings, moderierten Vorbereitungstreffen, jugendlichen SprecherInnen, laufenden Rückmeldungen über den aktuellen Stand der einzelnen Vorhaben usw.
Word up! zeichnet sich durch einen offenen Dialog und eine vorurteilsfreie Kommunikation unter allen Beteiligten und ProjektpartnerInnen aus.
Nach mehrjährigen Erfahrungen im 22., 2.& 20. Wiener Gemeindebezirk werden word up! SchülerInnenparlamente auch in drei weiteren Bezirken (Alsergrund, Simmering, Liesing) regelmäßig durchgeführt.

6. 19kmh (Eröffnung 2002)

Jugendarbeit in Heiligenstadt im 19. Bezirk - Infrastrukturelle Verbesserungen für Kinder und Jugendliche im Sozialraum
Mit 19 KMH (19 steht dabei für den Bezirk, kmh für „Karl-Marx-Hof" dem größten Wohnbau der Region) wurde ein weiterer Schritt eines konsequenten sozialräumlichen Zugangs zu Jugendarbeit definiert. Am Anfang stand weder eine bereits feststehende oder eine vorgesehenen Räumlichkeiten für eine Jugendeinrichtung, sondern eine 6-monatige Sozialraumanalyse, über die von zwei JugendarbeiterInnen umfassend die Infrastruktur und sozialräumlichen Bedingungen der Kinder und Jugendliche in diesem Stadtteil wahrgenommen und dokumentiert wurden. Über die Anwendungen der sozialräumlichen Methoden entstanden auch erste Kontakte zu vielfältigsten Jugendkulturen; die Durchführung der verschiedenen Methoden der Sozialraumanalyse wurde bereits als Form der Jugendarbeit begriffen und umgesetzt.
Die Implementierung des Projekts 19 KMH wies nun nur noch einen ganz kleinen Raum (als Anlaufstelle) auf, der Schwerpunkt der Arbeit wurde im Aufbau der sozialen Infrastruktur und der Arbeit im öffentlichen Raum eines gesamten Gebietes gesehen. Der Aspekt des Treffraumes wurde in dieser Konzeptionierung hintangestellt, statt dessen wurde angestrebt Räumlichkeiten in der Siedlung Jugendlichen zugänglich zu machen.

7. ACTiN Park (öffentlich zugänglich seit 2002)

Ein Jugendzentrum, 3 Schulen und hunderte AnrainerInnen in einem Partizipationsprojekt zur Mehrfachnutzung
In einem umfassenden mehrjährigen Partizipationsprojekt entstand mit dem „ACTiN Park" (PDF-Datei, 51 kb) eine frei zugängliche, multifunktionelle Spiel- und Sportfläche für Jugendliche in einer Großwohnanlage am Stadtrand von Wien. An der beispielhaften Revitalisierung des öffentlichen Raumes waren nicht nur verschiedenste Jugendliche und Jugendkulturen beteiligt. Auch erwachsene AnrainerInnen, Institutionen, PolitikerInnen, Magistrate, Planungsgruppen, Schulen waren an diesem Prozess beteiligt, wobei die verschiedenen „Geschwindigkeiten" und verschiedensten Bedürfnisse und Formen der beteiligten Personengruppen zu vielfältigsten Lernprozessen und Abstimmungen führten. Von zentraler Bedeutung war es für das Team des Jugendzentrums, welches im Prozess als Drehscheibe und Koordinationstelle fungierte, immer wieder neu verschiedenste Jugenden einzubeziehen, deren Ressourcen als ExpertInnen und NutzerInnen anzuerkennen und ihnen so auch entsprechende Wertschätzung zukommen zu lassen.

8. Jugendtreff Donaustadt (Eröffnung 2006)

Ein partizipativer Jugendtreff in Wiens flächenmäßig größtem Bezirk mit dem höchsten Anteil an Kindern und Jugendlichen
Die inhaltliche Ausrichtung dieses neu zu gestaltenden Jugendtreffs orientierte sich an der Idee der sozialräumlichen Konzeptentwickung. Ausgehend von einer umfangreichen und differenzierten Sozialraumanalyse (PDF-Datei, 7 MB) , in der die Methoden der strukturierten Stadtteilbegehung, Cliquenportraits, Zeitbudgets und Jugendkulturenraster in den Schulen der Donaustadt, Institutionenbefragung etc. verwendet und aufeinander bezogen wurden, konnten die Angebote entsprechend der Bedürfnisse und Wünsche der Zielgruppen formuliert werden. Über die Anwendung dieser sozialräumlichen Methoden konnten sich die JugendarbeiterInnen aber auch bekannt machen und als AnsprechpartnerInnen im öffentlichen Raum etablieren. Diese neue Jugendeinrichtung wurde explizit unter dem Motto „Mitmachen und Mitgestalten" konzipiert: nach der Beteiligung der künftigen NutzerInnen an der Sozialraumanalyse waren die Teenies und Jugendlichen auch federführend bei der Ausstattung der Räumlichkeiten bzw. der Programmgestaltung.

9. Die erste JugendFH (Durchführung 2007)

Eine gemeinsame Bildungsinitiative der Wiener Jugendzentren mit der FH Campus Wien

In der Jugendarbeit wird deutlich, dass sich der Zugang zu Bildung für viele Jugendliche nicht barrierefrei gestaltet. Darüber hinaus geraten hier aber auch Kompetenzen und Fähigkeiten von Jugendlichen in den Blick, die mitunter als Bildungspotenziale kaum Anerkennung finden oder gar nicht als solche wahrgenommen werden. Gerade in der Jugendarbeit finden in nonformalen und informellen Bezügen Bildungsprozesse statt, die ganz wesentlich von dem schulisch vermittelten Wissen abweichen. Bildungsprozesse finden aber im sozialräumlichen Kontext des Stadtteils statt - die entsprechende Gestaltung von Erlebnis- und Erfahrungsräumen seitens der Jugendarbeit fördert die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Die Initiative „JugendFH" (PDF-Datei, 3 MB) versuchte hier Zugänge und Information zu Bildung zur Verfügung zu stellen, Freizeit- und Bildungsorte zusammenzuführen, den Stadtrand in das Zentrum von Bildung zu rücken, aber auch die Ungleichverteilung von Bildungschancen zu thematisieren.

10. Jugendprojekt Aspern und Essling (2008) Think tank &trans tank

Mit der Jugendinitiative Thinktank&transtank in einem weitläufigen Stadtentwicklungsgebiet Wiens wurde vom Team des Jugendzentrums Hirschstetten (www.hirschstetten.org) des eine äußerst projektorientierten Form einer Jugendarbeit im öffentlichen Raum entwickelt.
In Form von regelmäßigen Stadtteilbegehungen entlang der mittlerweile bekannten Streif- und Aufenthaltsräume der Jugendlichen suchen JugendarbeiterInnen die Jugendlichen auf bzw. treffen sie an etablierten Treffpunkten. Ziel der Arbeit ist es Jugendliche in ihren Aneignungsprozessen in der Region, bei der Entwicklung und Umsetzung von Ideen konkret zu unterstützen, wobei dies in einer besonderen Form und über einen bestimmten Zeitraum passiert.
Am Anfang steht eine Vereinbarung zwischen JugendarbeiterInnen und Jugendlichen, in der genau die Zielsetzungen des Anliegens, Anzahl und Häufigkeit der Treffen, mögliche Beteiligte, Formen der Unterstützung seitens der Jugendarbeit aber auch Aufgaben der Jugendlichen besprochen und festgelegt werden. Dies kann die Organisation einer Veranstaltung, die Erweiterung des Zuganges zu (halb)öffentlichen Räumen und öffentliche Ressourcen, soziale und jugendkulturelle Themen oder auch der Umgang mit den zur Verfügung stehenden Jugendräumen sein.
Am Ende des gemeinsamen „think-tanks", steht dann die offizielle Beendigung des Nachdenkprozesses und der Start der Umsetzung seitens der Jugendlichen („trans-tank").
Die JugendarbeiterInnen nehmen dabei eine eher intermediäre und vermittelnde Rolle ein und fördern damit, dass Jugendliche ihre Anliegen und Projekte selbst umsetzen, sich auch persönlich an AnsprechpartnerInnen aus Politik und Gemeinwesen wenden und Aushandlungsprozesse selbst führen. Die Verantwortung für die Realisierungen der Prozessergebnisse bleibt so bei den Jugendlichen und den politisch Verantwortlichen, Die JugendarbeiterInnen unterstützen bei der Vernetzung, stellen Kontakte her, moderieren Konflikte etc.


Zitiervorschlag

Richard Krisch: Zur Entwicklung sozialräumlicher Jugendarbeit in Wien an Hand des Vereins Wiener Jugendzentren. In: sozialraum.de (1) Ausgabe 1/2009. URL: http://www.sozialraum.de/wiener-jugendzentren.php, Datum des Zugriffs: 11.12.2017

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