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Antonio Santana Miranda
Sozialarbeiter mit einer langjährigen und breiten Erfahrung in der Arbeit mit und aus der Perspektive von Jugendlichen, der Partizipation und der gemeinwesenorientierten Intervention ("intervención comunitaria") aus der administrativer Perspektive und der Perspektive von sozialen Organisationen.
E-Mail: mechosantana@hotmail.com

Inhalt

  1. Eine alternative gemeindeorientierte und aus dem Standpunkt der Jugendlichen entwickelte Soziale Arbeit auf den Kanarischen Inseln
    1. 0. Prämisse
    2. 1. Begründung der Arbeitshypothesen von El Patio
    3. 2. Prozessbeschreibung der Arbeit von El Patio
    4. 3. Die Arbeit in den Interventionszonen
      1. 3.1 Spezifische Arbeit
      2. 3.2 Unspezifische Arbeit
        1. 3.2.1 Die Koordination von Ressourcen
        2. 3.2.2 Forschung, Information und Dokumentation
        3. 3.2.3 Potenzierung der Partizipation


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Claudia Muche, Andreas Oehme, Inga Truschkat: Übergang, Inclusiveness, Region. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. 280 Seiten. ISBN 978-3-7799-1938-4.
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Michael Noack (Hrsg.): Empirie der Sozialraum­­orientierung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. 335 Seiten. ISBN 978-3-7799-3412-7.
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El Patio: Bildungsstätten als gemeinschaftliche Ressource

Eine alternative gemeindeorientierte und aus dem Standpunkt der Jugendlichen entwickelte Soziale Arbeit auf den Kanarischen Inseln

„Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu erziehen" (Afrikanisches Sprichwort)

[1]

Arbeitsgruppe El Patio/Antonio Santana Miranda

Der folgende Beitrag berichtet und reflektiert Erfahrungen der Arbeitsgruppe „El Patio" mit einem bildungs- und teilnehmerorientierten Prozess Sozialer Arbeit mit Jugendlichen. Diese nimmt ihren Ausgang in der Lebenswelt von Jugendlichen, die von Gewalt als alltäglicher Erfahrung gekennzeichnet ist. Wir wollen verschiedene Aspekte dieser Lebenswelt widerspiegeln, so dass der Leser sich in diesem Kontext, in dem das Projekt durchgeführt wird, situieren kann. Es werden außerdem weitere Aspekte dargestellt, in denen die normativen Grundannahmen und die technischen Rahmenbedingungen der Projekte sichtbar werden. Wir betrachten es als angemessen, vorab in einer Einführung den Kontext dieses Arbeitsprozesses in geographischer, sozialer, ökonomischer und kultureller Sicht zu vorzustellen.

0. Prämisse

Die Kanarischen Inseln stellen einen Archipel dar, der sich vor dem afrikanischen Kontinent ausbreitet und gleichzeitig Teil des spanischen Staates ist. Die Kanarischen Inseln umfassen acht bewohnte Inseln und eine Menge Felseninseln mit einer Gesamtbevölkerung von ca. 1.721.000 Menschen. Die wichtigste Wirtschaftsbranche stellt der Tourismus dar; begünstigt durch das gute Klima und die Schätze der Natur - obwohl diese sich in immer größerer Gefahr befindet -, die politische Stabilität und die geographische Nähe zu europäischen Ländern ist der Archipel zu einem beliebten Urlaubsziel geworden.

Die Kanarischen Inseln, deren Wirtschaft schon seit langem durch eine starke Monokultur in der Landwirtschaft (Zuckerrohr, Weintrauben, Bananen) geprägt wurde, haben in den letzten vierzig Jahren eine bedeutende soziale Transformation durchlaufen. Diese hat zu einem beschleunigten kulturellen Wandel geführt, vor allem am Küstenstreifen und in urbanen Zonen. Hier kann man als Folge der touristischen Entwicklung einen Übergang von einem traditionellen agrarischen zu einem dienstleistungsbasierten Wirtschaftsmodell beobachten. Das hat dazu geführt, dass sich die Bevölkerung in den letzten vierzig Jahren verdoppelt hat, auf manchen Inseln, wie Fuerteventura, hat sich die Bevölkerung in den letzten zehn Jahren sogar verdreifacht. In dieser Hinsicht ist die Bevölkerungsdichte während der letzten zehn Jahre um 19 % angestiegen, wobei der Durchschnitt von 201 Personen pro km² überschritten wurde. Solche Daten sind für kleine geographische Räume wie die Kanarischen Inseln besonders relevant. So kann man, wenn man Anwohner und Touristen zusammen betrachtet, in „Las Palmas de Gran Canaria" eine Dichte von 3.626 Einwohnern pro km² feststellen. Laut den Daten von Professor Antonio González Viéitez, Professor für Wirtschaft an der Universität von „Las Palmas de Gran Canaria", kann man, sofern man natürliche Räume, Erhebungen und Abhänge von mehr als 30 % und mit einer Höhe von mehr als 1.200 Metern beiseite lässt, nur noch mit 20 % verwendbarem Boden auf dem Archipel rechnen. Das demographische Wachstum und die unaufhaltsame touristische Entwicklung mit mehr als 300.000 Touristen täglich in einem Gesamtterritorium von knapp 7.400 km² werden von dem Forscher Faustino García Márquez als Argumente seiner Untersuchung über Territorium und Zukunftsfähigkeit (sostenibilidad) aufgegriffen: „Die Belastbarkeit der Inseln in ihrer Gesamtheit ist auf demographischer Ebene und hinsichtlich der touristischen Aktivität schon erreicht und überschritten worden."

Es ist offensichtlich, dass die kanarische soziale Wirklichkeit eng mit der touristischen Entwicklung verbunden ist, wobei eine große Kluft zwischen wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung entsteht.

Wenn wir die Beschäftigungsdaten analysieren, können wir beobachten, dass 75 % der angestellten Bevölkerung im Dienstleistungssektor, 21 % in Bau und Industrie und 4 % im primären Wirtschaftssektor tätig sind, während in den 50er Jahren noch 80 % der Bevölkerung im letzten Bereich arbeiteten. Daraus folgt, dass die Kanarischen Inseln in kurzer Zeit wichtige strukturelle Veränderungen durchgemacht haben. Dabei entstanden beschleunigte Entwicklungsprozesse, die sich in einer neu entstehenden Kultur der Spekulation bezüglich des Territoriums und in einem Kontext einbetten, in dem die Bevölkerung bis zu den 80er Jahren ein sehr niedriges Bildungsniveau besaß. Man beachte als Beispiel, dass die Insel mit dem größten Bevölkerungsanteil des Archipels bis 1989 über keine eigenständige Universität verfügte.

Eine Einschätzung der Entwicklung der Kanarischen Inseln ermöglichen folgende Daten, die mit den „anderen touristischen Kanaren" - die Kanaren mit dem guten Klima und der üppigen Natur - in Zusammenhang stehen.

  • Nach den Daten der letzten Volkszählung, die vom Statistischen Institut der Kanaren (Instituto Estadístico de Canarias, ISTAC) im Jahre 2001 durchgeführt wurde, beträgt die Gesamtbevölkerung der Kanarischen Inseln 1.721.792 Einwohner. Die Verteilung der Bewohner auf den Inseln ist wie folgt:
Insel Einwohner
FUERTEVENTURA 63.735

LANZAROTE
99.736
GRAN CANARIA 784.374
TENERIFE 702.288
LA PALMA 80.820
LA GOMERA 18.122
EL HIERRO 8.716
  • 42 % der gesamten Bevölkerung sind jünger als 29 Jahre alt. Dabei liegen die Kanaren als autonome Region des spanischen Staates mit Hinsicht auf ihren Jugendanteil an dritter Stelle. Wenn wir die Proportion von Jugendlichen (Personen zwischen 15 und 29 Jahren) in Bezug auf die Gesamtbevölkerung vergleichen, sind die Kanarischen Inseln die autonome Region mit dem höchsten Jugendanteil in Spanien.
  • Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt auf den Kanaren 6.669,04 € im Jahr. Das ist fast die Hälfte des nationalen Durchschnitts. In ähnlicher Weise befinden sich die Löhne 155 % unter dem nationalen Durchschnitt.
  • Die Arbeitslosenquote ist mit 12 bis 15 % eine der höchsten im ganzen Land. Wenn man nur den Anteil junger Menschen unter 25 Jahren berücksichtigt, so erhält man eine Arbeitslosenquote zwischen 20 und 25 %.
  • Folgt man den Richtlinien der EU, so leben mehr als 27 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, wobei 10 % unter Bedingungen extremer Armut leben. 22 % der Menschen, die sich unter der Armutsgrenze befinden, sind jünger als 16 Jahre.
  • Bedeutsam bezüglich des wirtschaftlichen und sozialen Kontextes ist auch, dass 27 % der Haushalte auf den Kanaren Kabelfernsehen besitzen. 11 % dieser Haushalte gehören zu Familien, die unter der Armutsgrenze leben.

Diese Angaben sind Indikatoren einer sozialen Wirklichkeit, die sich allmählich im Bereich der Küstenstreifen und urbanen Zonen der Inseln durchsetzt. Es entstehen unhaltbare Situationen, das traditionelle Familienmodell als Sozialisationsinstanz verschwindet und macht den Weg frei für Modelle, unter denen fragmentierte und destrukturierte Familien häufig vertreten sind. Arbeitsbedingte Mobilität hat zudem in vielen Fällen zum Verschwinden der Großfamilien beigetragen. Diese Veränderungen schaffen ohne Zweifel eine Situation, in der Risiko und Schutzlosigkeit den schwächsten Teil der Bevölkerung treffen: die Minderjährigen.

Schließlich wollen wir noch eine letzte Kontextualisierung vornehmen, die für ein Verständnis der Arbeit von „El Patio" notwendig ist. Damit meinen wir die Verwaltungsorganisation auf den Kanaren, bei der man vier verschiedene Ebenen mit unterschiedlichen Kompetenzen unterscheiden kann:

  1. Zentrale staatliche Verwaltung: Zentrales Regierungsamt
  2. Autonome Verwaltung: Autonome Regierung, unterteilt in consejerías, die ihre Niederlassungen in den zwei Provinzhauptstädten haben (Sª Cruz de Tenerife und Las Palmas de Gran Canaria)
  3. Inselverwaltung: Gemeinderäte (cabildos) der Inseln
  4. Lokale Verwaltung: Gemeinderäte (ayuntamientos) der Gemeindebezirke (municipios)

1. Begründung der Arbeitshypothesen von El Patio

Die Ursachen der Bedürfnisse und Probleme der kanarischen Gesellschaft entsprechen offensichtlich nicht einer Besonderheit des Archipels, obwohl man manche eigentümliche Merkmale feststellen kann. Eigentlich stehen sie in Zusammenhang mit dem Phänomen der wirtschaftlichen Globalisierung, d.h. es handelt sich eher um strukturelle Ursachen. Diese Behauptung soll die Suche nach Lösungen jedoch nicht bremsen oder beschränken. Im Gegenteil, sie sollte sich zu einer positiven Motivation zur Suche von Antworten entwickeln. Die Strategie, die in diesem Beitrag dargestellt wird, hat in diesem Sinn ihren Ursprung einerseits in der Ansicht, dass strukturelle Veränderungen sich jenseits der Interventionsebene befinden. Andererseits jedoch sind wir davon überzeugt, dass wir bestimmte konjunkturelle Veränderungen beeinflussen können, welche eine Transformation, vielleicht nicht hinsichtlich der Struktur selbst, aber bezüglich strukturell bedingter Situationen erleichtern können. Wir sind außerdem davon überzeugt, dass eher auf lokaler Ebene angesetzte Alternativen globale Phänomene beeinflussen können.

Seit den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts kann man auf den Kanaren, so wie auch an anderen Orten des spanischen Staates, ein gesellschaftliches Phänomen beobachten, das von den Massenmedien als Jugendgewalt bezeichnet wird. Diese Bezeichnung versucht, gewaltsames Verhalten und gewaltbereite Einstellungen, welche im Rahmen sozialer Treffpunkte wie zum Beispiel Volksfeste, Karneval, Konzerte usw. zu beobachten sind, unter einem Begriff zu fassen. Es handelt sich hier meist um Gruppen von Jugendlichen, die im Drogen- und Alkoholrausch Aggression gegen Personen und Sachen als eine Art von Beziehung oder eine Art von Freizeitaktivität ausüben. Die Presse hat diesen nicht organisierten Gruppen, die ohne jeglichen Bezug auf politische Ideologien eher spontan handeln, durch ihre Benennung eine Identität verliehen. Auf den Kanaren sind sie wegen ihrer Kleidung als „chandaleros" bekannt; aufgrund der Eigenbezeichnung einer dieser Gruppen kennt man sie auch als „coyotes", aber auch als „poligoneros", weil sie oft aus Industriegebieten (polígonos) kommen, „bad boys" wegen der von ihnen bevorzugten Kleidermarke und „hardcoritos" wegen ihres bevorzugten Musikstils.

Man kann ohne Zweifel behaupten, dass Kommunikationsmedien in beachtlicher Weise dazu beigetragen haben, dieses Verhalten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich oft auf der Suche nach einer eigenen Identität oder nach sozialem Status befinden, zu verstärken. Damit sollen jedoch nicht ausschließlich die Medien für das vorher beschriebene Verhalten verantwortlich gemacht werden. Mit dieser Behauptung soll vielmehr das Phänomen hinterfragt werden: Ist dieses gewalttätige Verhalten ein Problem der Jugend oder ein Problem, das einen großen Teil der Gesellschaft betrifft?

Was nach der Übertreibung durch die Medien gesellschaftlich als schwerwiegendes Problem wahrgenommen wird, hat sich zunehmend zu einer gesellschaftlichen Forderung gegenüber Politikern und Fachexperten entwickelt, welche dazu aufgefordert werden, Lösungen zu finden. Wir glauben, dass das Problem der Jugendgewalt nicht so gravierend ist wie normalerweise dargestellt und werden das Thema im Rahmen dieses Beitrages entsprechend behandeln.

Die Familie delegiert ihre Verantwortung hinsichtlich der Sozialisation und Erziehung von Minderjährigen auf das Bildungssystem. Man darf nicht vergessen, dass die Familie als Institution nicht abseits der Gesellschaft und ihrer jeweiligen Trends existiert und dementsprechende Vorstellungen reproduziert. Das Bildungssystem sieht sich dabei mit unvereinbaren Funktionen konfrontiert, wobei es nicht genau bestimmen kann, ob es die Individuen dazu ausbilden soll, damit sie sich in eine extrem technologisierte Gesellschaft einfügen, oder ob es Personen ausbilden soll, die als Bürger im Stande sind, eigenständig gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen. Vor diesem Hintergrund tauchen Peers praktisch als Hauptsozialisationsagent während der Adoleszenzphase auf. Peers nehmen Modelle aus verschiedenen sozialen Institutionen auf. Der aufwändige Lebensstil und die Heterogenität der Vorbilder, die mangelnde Begleitung durch Familie und Schule und die geringen Partizipationsmöglichkeiten machen aus der Tatsache, dass Peers sich zum Hauptsozialisationsagent entwickeln, eine gefährliche Situation.

Man kann behaupten, dass Gewaltsamkeit eine endemische Krankheit der entwickelten Gesellschaften ist. Weder die Kanarischen Inseln mit ihrem gegenwärtigen Wachstum noch der spanische Staat insgesamt sind diesbezüglich eine Ausnahme. Ferner stoßen wir, wenn wir den Ursachen der Gewalt nachgehen, auf ausschließlich strukturelle Motive.

Jugendliche und junge Erwachsene werden in einer feindseligen und wettbewerbsorientierten Umgebung sozialisiert, wo Gewalttätigkeit eine gewöhnliche Art und Weise der Konfliktlösung ist. Wenn man weiterhin davon ausgeht, dass sie zusätzlich Marginalisierung und Exklusion (Destabilisierung der Familie, Misshandlung, fehlende Konsumkapazität, niedriges Bildungsniveau, Drogen usw.) erleben, so entsteht eine explosive Mixtur.

Wenn jemand im Rahmen der Konsumkultur sich in einer Lage befindet, die es ihm nicht erlaubt, das von Medien geforderte Konsumniveau zu erreichen, so kann der jugendliche Widerstand durch die von Familie, Bildungsbeauftragten, Politikern, Medien und Umgebung vermittelten Modellen kanalisiert werden. So wie es Ray Bradbury in seinem Buch Fahrenheit 451 darstellt: Diejenigen, die nicht aufbauen können, müssen zerstören. Das ist eine so alte Tatsache wie die Geschichte und die Jugendkriminalität.

Während der Lebensphase Jugend stimmt die Konstruktion der Selbstidentität mit einer beachtlichen Akkumulation von Lebensenergie überein. Identitätssuche ist a priori eine positive Erscheinung, aber sie kann sich in ein negatives Element wandeln, wenn sie von verkehrten Werten ausgeht. Jugendliche wollen von ihren Peers anerkannt werden. Wenn Peers individualistisch geprägt, wettbewerbsorientiert und gewalttätig sind - Werte, die in der Gegenwart überwiegen -, dann wird eine Teilnahme an der Peergroup eben diese Werte stärken. Dabei müssen wir erneut bekräftigen, dass es sich nicht um ein jugendtypisches Problem handelt, sondern dass Jugendliche dieses Problem, so wie auch viele andere Facetten des Lebens, am stärksten zum Ausdruck bringen.
Ein weiteres Element, das wir aus der Jugendarbeit kennen und das in Zusammenhang mit dem aggressiven und gewalttätigen Verhalten steht, bezieht sich in direkter Weise auf den Bildungsstand der Jugendlichen, was nicht zuletzt den Misserfolg des Bildungssystems im Umgang mit „antisozialem" Verhalten widerspiegelt. Jugendliche, die davon betroffen sind, werden oft Teil der langen Liste von Schulverweigerern.

Schulverweigerung wird, wie schon angedeutet, zu einem Auslöser von Gewalt und zwar aufgrund von hauptsächlich drei, von der Gesellschaft und dem Bildungssystem zu verantwortenden Motiven:

  1. Das bisherige System (der Bildung) bietet Jugendlichen eine negative und ausschließende Bezeichnung an, die sie als Identität aufgreifen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich diese Identität im Laufe der persönlichen Entwicklung zunehmend verstärkt.
  2. Das Bildungssystem vertreibt Kinder und Jugendliche auf die Straße, ohne ihnen weitere Aussichten zu bieten, als ihre Zeit zu vertreiben. Jugendliche setzen das entsprechend ihrer neuen Identität als „gewalttätiger Schulverweigerer, der über viel Freizeit verfügt, aber keine Alternativen findet, diese Freizeit zu nutzen", um.
  3. Die bisher eingeschränkte Möglichkeit, dass sie ihre sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten entwickeln, ist besonders mit Hinsicht auf Denkprozesse und adäquate soziale Kompetenzen äußerst relevant. Die Praxis bestätigt, dass es sich hierbei um ein grundlegendes Element handelt.

Wenn wir das Thema aus einer eher soziologischen Perspektive analysieren, müssen wir die Theorie über „kulturelle Entleerung" des Ortes (vaciamiento cultural del lugar) berücksichtigen. Diese Theorie besagt, dass Räume, die sich nicht durch Personen aneignen lassen, sich zu Orten entwickeln, durch die man sich nur noch bewegt und die keine Anhaltspunkte mehr für eine Identitätsbildung darstellen.

Die Aussichten der städtischen Landschaft auf den Kanaren sind Anfang dieses Jahrhunderts im Grunde nicht viel anders als die Aussichten anderer Metropolen auf unserem Planeten. Viele Erscheinungen, die wir in unseren urbanen Territorien feststellen können, sind Teil eines gemeinsamen Problems, das in zahlreichen Winkeln der Erde zu erkennen ist. Es kann als eine Folge des Wertverlustes des lokalen Raumes im Prozess der Globalisierung verstanden werden. Daher wird das Phänomen der Gewalttätigkeit, das manchmal in Verbindung mit stammbezogenem Verhalten erscheint, oft als Folge der Lebensbedingungen in gegenwärtigen Städten verstanden.

Aus dieser Sicht ist es möglich, fremdenfeindliche, rassistische oder homophobische Einstellungen zu erklären, die in letzter Zeit unter der kanarischen Bevölkerung zu beobachten sind.

Doch wie kann man einer solchen Situation begegnen? Berücksichtigen wir die verschiedenen Interventionen, die im Rahmen unserer Umgebung und in anderen europäischen Ländern durchgeführt werden, so können wir die angewendeten Maßnahmen folgendermaßen klassifizieren:

  • A. Die wohl herkömmlichste Maßnahme versucht, die Folgen des Problems zu beheben. Also werden eine Reihe von polizeilichen und repressiven Maßnahmen getroffen, welche die Auswirkungen der Gewalt auf die Bevölkerung zu verhindern versuchen. Es handelt sich hierbei um eine typische Antwort der neoliberalen Politik, die meistens in Zusammenhang mit anderen sicherheitspolitischen Maßnahmen auftaucht, die das Ziel haben, eine Stadt zu einem sicheren Ort zu machen.
  • B. Eine weitere Kategorie von Maßnahmen ist zwischen der Sozialdemokratie und dem Neoliberalismus anzusiedeln. Es handelt sich um Maßnahmen, die spezifische Interventionen mit psychologischen Programmen verknüpfen. Sie versuchen, die gesellschaftliche Ebene durch Kampagnen und andere soziale Marketing Aktionen zu erreichen.
  • C. Als Alternative halten wir einen Ansatz für geeignet, der an unsere vorherigen Ausführungen anschließt. Einerseits betrachten wir Gewalt nicht als Problem, sondern als Indikator. Andererseits gehen wir davon aus, dass die Ursachen der Gewalt vielfältig sind und strukturelle Wurzeln haben. Wir sind der Meinung, dass eine effektive Lösung auf struktureller Ebene ansetzen muss. Auch wenn große strukturelle Veränderungen utopisch erscheinen, so ist es doch möglich, ein Ensemble von konjunkturellen Maßnahmen zu schaffen, das mit einem integrierten und globalen Ansatz im Vergleich zu den vorher erwähnten Maßnahmen eine gesellschaftlich effektivere Antwort darstellt.

Wir lehnen die Alternativen A. und B. nicht strikt ab. Aktionen müssen aber dennoch im Rahmen eines Prozesses stattfinden, der einen dritten Weg einschlägt. Wir werden diesen Weg - die Alternative C. - im Folgenden vorstellen.

Wir schlagen keine spezifische Lösung vor. Unser Vorschlag ist vorerst unspezifisch, erst später werden detaillierte Vorstellungen entwickelt. Demzufolge arbeiten wir nicht für Jugendliche, sondern aus der Position der Jugendlichen heraus, mit ihnen und dem Rest der Gemeinschaft. Der Arbeitsansatz, den wir hier darstellen wollen, möchte Begegnung und Reflexion der unterschiedlichen Akteure unterstützen. Das heißt, er möchte endogene Partizipation auf lokaler Ebene fördern, indem er auf Bildungsstätten als gemeinschaftliche Ressourcen zurückgreift und sie dazu bringt, interne und externe Prozesse der Partizipation in Gang zu bringen. Dabei handelt es sich um mittel- bis langfristige Prozesse, die zwar mehrere kurzfristige Projekte umfassen, aber dennoch über eine gemeinsame Zielsetzung verfügen.

In diesem Arbeitsprozess sind verschiedene Arten von Interventionen möglich. Es handelt sich um einen ganzheitlichen Prozess, der die Situation tatsächlich verändern möchte. An dem Prozess können und sollen sich Bürger und Institutionen beteiligen; er berücksichtigt unterschiedliche Rhythmen der Beteiligten und vielfältige Sichtweisen auf die komplexe soziale, wirtschaftliche und politische Situation der Kanarischen Inseln.

2. Prozessbeschreibung der Arbeit von El Patio

Die kanarische Gesellschaft macht sich Sorgen um gewaltsame Demonstrationen, die in letzter Zeit immer häufiger stattfinden und ihre Auswirkungen im Bereich der Bildungseinrichtungen zeigen. Daher sind mehrere Institutionen daran interessiert, für dieses Problem eine Lösung zu finden.

Aufgrund der öffentlichen Meinung, der sozialen Probleme an den Schulen und der immer häufiger sichtbar werdenden Gewalt in der Öffentlichkeit entscheidet die Generaldirektion für Jugend der kanarischen Regierung (Dirección General de Juventud del Gobierno de Canarias) Anfang 1998, eine Lösung für das soziale Phänomen der „Jugendgewalt" zu finden. Runde Tische, Foren, Fachseminare usw. werden initiiert, um zu versuchen, dieses Phänomen zu bearbeiten. Man beginnt die Situation als Folge mehrerer Ursachen zu begreifen. Darunter befinden sich strukturelle so wie auch konjunkturelle Ursachen. So kommt es dazu, dass im September 2002 die Kanarische Stiftung für Jugend (Fundación Canaria de Juventud, IDEO) gegründet wird. Gleichzeitig wird ein neues Team ins Leben gerufen, das einen Interventionsvorschlag erarbeiten soll, um neue Wege aus dem Problem der Gewalt zu finden. Mit diesem Ziel vor Augen werden eine quantitative und eine qualitative Untersuchung durchgeführt, die eine partizipationsorientierte Forschungsmethode anwenden, woran sich Jugendliche, Väter, Mütter, Lehrer, Repräsentanten aus der Verwaltung, Sozialarbeiter, Schuldirektoren usw. beteiligen.

Anhand der Ergebnisse wurde ein Inventar erstellt, das verschiedene Aspekte des Phänomens umfasst. Dieses Inventar soll eine integrierte Perspektive der untersuchten Wirklichkeit wiedergeben:

  • Gewalt hat vielfältige Ursachen, die sich nicht auf individuelle Dispositionen und Verhältnisse beschränken.
  • Konflikte sind ein Teil der menschlichen Beziehungen. Sie können gewaltsam gelöst werden, obwohl man dabei beachten muss, dass Gewalt und Konflikt nicht direkt miteinander verbunden sind.
  • Gewalttätige Handlungen und Haltungen kommen nicht spontan zustande. Sie sind das Ergebnis eines langen Prozesses, der sehr früh im Leben beginnt.
  • Die Tatsache, dass ein fremder Referenzrahmen besteht, begrenzt die Entwicklung eigener Kulturen und hinterlässt die vorherrschende kulturelle Leere, einen Identitätsverlust, beschleunigte Akkulturationsprozesse, Unwissenheit gegenüber der direkten Umgebung und demzufolge einen mangelnden Respekt gegenüber sich selbst und eine Nicht-Akzeptanz der Multikulturalität und Verschiedenheit als wesentliche Tatsachen des menschlichen Daseins.
  • Der Konsum vereinheitlicht die Bedürfnisse, aber vervielfacht die Anforderungen, diese Bedürfnisse zu befriedigen. Das führt zu Frustrationen, die sehr leicht in gewalttätigen Handlungen Ausdruck finden.
  • Die wirtschaftliche Entwicklung auf den Kanaren wurde nicht von einer entsprechenden sozialen Entwicklung begleitet. Das führt zu vielen Problemen, eines davon ist Gewalt.
  • Das demographische Wachstum und seine Auswirkungen auf das Territorium haben Lebensbedingungen geschaffen, die als einer der Hauptauslöser von gewaltorientierten Verhaltensweisen und Einstellungen gelten.
  • Gewalt wird vor allem in urbanen Regionen wahrgenommen. Sie wird eher in benachteiligten Vierteln beobachtet, obwohl dieses Verhalten in jedem sozialen Kontext bekannt ist.
  • Kommunikationsmedien haben den größten Anteil an der Verbreitung dominanter Werte und Einstellungen. Auf den Kanaren wird Jugendgewalt durch Kommunikationsmedien überbewertet. Dadurch begünstigen sie einerseits die wachsende soziale Bedeutung dieser Problematik. Andererseits bewirken sie eine zahlenmäßige Erweiterung und zunehmende Schwere von Gewalttaten.
  • Neue Informationstechnologien haben einen leichteren Zugang zur Information ermöglicht. Dadurch haben sie bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen Wandel von Werten, Einstellungen und Verhalten hervorgerufen und den Verlauf ihrer persönlichen Entwicklung beeinflusst.
  • Familien befinden sich oft nicht in der Lage, die Verantwortung für Bildung und Erziehung von Minderjährigen zu übernehmen. Diese Situation verschlimmert sich bei destabilisierten Familien, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass in ihrem Umfeld gewalttätiges Verhalten sichtbar wird.
  • Die Krise der Familie als Institution hat dazu geführt, dass die Verantwortung für die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen den Schulen übergeben wird. Diese scheinen aber mit ihrer neuen Rolle nicht klar zu kommen.
  • Die Sozialpolitik auf den Kanarischen Inseln zeichnet sich durch mangelnde Transformationsmacht, Koordinationsschwierigkeiten zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen, eine daraus folgende Destrukturierung der ohnehin wenig existierenden institutionellen Netzwerke aus.
  • Offizielle Zahlen über Jugendkriminalität bestätigen, dass diese Art von Verhalten zahlenmäßig nicht signifikant ist.
  • Gleichwohl kann man beobachten, dass Konflikte im Rahmen von Schulen zunehmen, aber längst nicht so alarmierend sind, wie die Medien es normalerweise darstellen.
  • Schule stellt einen privilegierten sozialen Kontext dar, in dem soziale Beziehungs- und Verhaltensmodelle, die schon auf gesellschaftlicher Ebene vorhanden sind, reproduziert werden. Da das Schulmilieu begleitet und supervidiert wird, ist es in diesem Kontext, im Vergleich zu anderen, wahrscheinlicher, gewalttätiges Verhalten zu entdecken.
  • Die Schule ist herausgerissen aus ihrer direkten sozialen Umgebung. Dadurch verliert sie ihr Potential als Ressource für die Gemeinschaft.
  • Im Allgemeinen stellt LOGSE [2] einen adäquaten normativen Rahmen dar, der aber unvollständig angewendet wird.
  • Einige Elemente der LOGSE können zu gewaltsamen Einstellungen führen. Beispiele dafür sind die ausnahmslose Ausdehnung der Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahr und die schulische Versetzung.
  • Die finanziellen Ressourcen der Bildungsprogramme sind nicht ausreichend, wodurch ihre Möglichkeiten beschränkt werden.
  • Die hohe Fluktuation des Lehrpersonals, besonders in Schulen mit hohem Konfliktpotential, erschwert Bemühungen, die Situation zu verbessern.
  • Fehlende Handlungsmöglichkeiten verunsichern und demotivieren die Lehrerschaft. Man braucht eine Ausbildung, die Kommunikationsfähigkeiten, Vermittlung, Motivation, Empathie und Respekt fördert.
  • Partizipation an den Bildungsstätten gilt als unerlässlich. Doch sie findet nicht statt aufgrund mangelnder Ressourcen, Nicht-Nutzung der Räume und der dafür existierenden Mittel und des mangelnden Interesses der Lehrer, den Gebrauch dieser Infrastruktur zu fördern.
  • Veränderte pädagogische Methoden, die zu einer besseren Beziehung zwischen Lehrern und Schülern führen und Partizipation und Kreativität fördern, begünstigen einen Rückgang des gewalttätigen Verhaltens.
  • Vorhandene Freizeitangebote fördern meistens eine passive Haltung und Individualismus. Sie beschränken sich meistens nur auf den Konsum von Produkten.
  • Teilnahmeorientierte Räume, in denen Jugendliche die Hauptrolle hinsichtlich der Verwaltung von Freizeitangeboten übernehmen, hemmen die Erscheinung gewalttätiger Handlungen.
  • Ein Lernprozess, der das Verhalten verändern möchte, braucht mehr als nur Information. Je teilnahmeorientierter das Zustandekommen der Information und je bedeutungsvoller der Informant ist, desto effektiver wirkt Information.
  • Wie man auf aggressive Situationen reagiert, beeinflusst eine sichtbar gewordene Situation selbst. Es beeinflusst aber nicht die Ursachen, die zu dieser Situation geführt haben.
  • Die beschriebenen Bedingungen führen dazu, dass die Partizipation der Bürger zu einer nur kurzzeitig wirkenden Episode wird. Partizipation als gesellschaftlicher Wert befindet sich in einer Krise.

Angesichts dieser Überlegungen hinsichtlich der Gewalt als sozialem Phänomen und der Rolle, welche Gewalt bezüglich der kanarischen Jugend spielt, schlagen wir eine Intervention vor, die folgende Zielsetzungen verfolgt:

Allgemeine Ziele:

  • Herstellung eines ganzheitlichen und teilnahmeorientierten Arbeitsprozesses, der von der Lebenswelt von Jugendlichen, die sich zwischen Gewalt und Jugend bewegt, ausgeht;
  • Förderung von nicht-gewalttätigen Alternativen der Konfliktbewältigung, die kollektiv in einem teilnahmeorientierten Prozess, der von einem gemeinschaftlichen Zusammenleben an der Schule ausgeht, entwickelt werden sollen.

Spezifische Ziele:

  • Förderung von Begegnungsräumen im Bereich von Freizeit und Kultur, die von den Bildungsstätten aus gefördert werden und die dabei die Entwicklung eigener Strategien seitens der Jugendlichen ermöglichen sollen;
  • Erleichterung des Zugangs von Bildungsstätten (außerschulische Bildungsstätten der Jugendarbeit) zu Unterstützungsmitteln bezüglich einer wertebezogenen Bildung; diese soll die Anerkennung von Vielfalt und nicht-aggressivem Verhalten fördern;
  • Förderung der Rolle der Schulen als Gemeinschaftsressource;
  • Erstellung von empirisch fundiertem Wissen hinsichtlich sozialer Gewalt und dessen Zusammenhang mit dem Jugendalter; zukünftige Interventionen sollen bei ihrer Planung auf diese Basis zurückgreifen können;
  • Förderung von Anerkennung und Respekt gegenüber der Vielfältigkeit von Jugendlichen;
  • Förderung der Ausbildung von Jugendsozialarbeitern und Sachverständigen im Bereich von Jugend;
  • Unterstützung von Koordinationsansätzen zwischen Institutionen und Organisationen, die mit Jugendlichen arbeiten, so dass jugendbezogene Handlungen reflektiert werden und Interventionen einen realen Gewinn für die Jugendlichen erzeugen können;
  • Förderung einer positiven Wahrnehmung des Konflikts; es soll vermittelt werden, dass Konflikte durch einen angemessenen Umgang als Fortschrittsressource betrachtet werden können.

Unser Interventionsvorschlag setzt sich in einer Reihe von Handlungsansätzen um, in deren Mittelpunkt Schulen als Ressource für die Gemeinschaft stehen. Die Schule wird in diesem Sinn zu einem Treffpunkt für junge Leute, die sich hier mit informellem Lernen, Freizeit, Kultur und Sport beschäftigen. Dadurch werden Bildungseinrichtungen einerseits eine wichtige Funktion für das Gemeinschaftsleben übernehmen können, was derzeit nicht der Fall zu sein scheint. Andererseits entwickeln sich Schulen dadurch zu einer Ressource, und das in einem Kontext, in dem Ressourcen oft Mangelware sind.

Demnach konzentrieren wir unsere Kräfte auf die Arbeit, die von der Schule aus verrichtet werden kann. Diese Arbeit ist Teil eines umfassenderen Prozesses, der Aktionen im Bereich der Schule in lokale Interventionen umsetzt. Diese Arbeit wird evaluiert und soll auf diese Weise eine Verbindung zwischen Institutionen und Initiativen bewirken. Indem wir Bildungsstätten, und dabei vor allem Schulen, zum Kernobjekt unserer Interventionen machen, ergeben sich folgende Handlungslinien:

  1. Öffnung der Schulen hinsichtlich informeller Bildungsaktivitäten, Freizeit, Kultur und Sport;
  2. Einführung von unterstützenden Mitteln und Methoden bezüglich einer wertorientierten Bildung, Strategien zur Besserung der sozialen Beziehungen an den Schulen und nicht-aggressive Konfliktbewältigung;
  3. Realisierung von Studien über soziale Gewalt bei Jugendlichen und deren Erscheinungsformen in den Schulen;
  4. Bildung: Sobald man Veränderungen bewirken möchte, gilt es vorrangig, bildungsbezogene Elemente in den Prozess einzubauen;
  5. Familienbezogene Arbeit: Um Verhältnisse verändern zu können, muss auch die Familie in diese Arbeit mit einbezogen werden;
  6. Etablierung von Unterstützungsmaßnahmen zur Koordination der Ressourcen;
  7. Entwicklung pro-sozialer Einstellungen.

Handlungen werden als Prozess verstanden, der gerade erst anfängt und der erst langfristig Ergebnisse zeigen wird. Um Verhältnisse ändern zu können, bedarf es einer Planung, die sechs oder mehr Jahre umfasst. Das wiederum schließt nicht aus, dass man mittelfristige Zwischenergebnisse innerhalb von drei Jahren oder sogar kurzfristig, innerhalb von einem Jahr erreichen kann.

Der Prozess wird mit einer Rückmeldung von Seiten der begleitenden Evaluationsstudie und einem Handlungsvorschlag fortgeführt, der anhand der Studienergebnisse erstellt wurde. Dieses Dokument wird unter den Beteiligten und weiteren daran interessierten Personen verteilt. Diese Ergebnisse und der vorschlagene Arbeitsansatz werden auf einem Workshop mit Experten bezüglich sozialer Ressourcen öffentlichen Repräsentanten und Bürgern vorgestellt und debattiert.

Da wir unsere Intervention als langfristigen Prozess verstehen, haben wir unsere Arbeit vorerst auf drei Zonen beschränkt, die später auf vier Zonen erweitert werden können. Dabei betrachten wir einige Interventionsschwerpunkte zunächst als Priorität, während wir andere vorerst noch aufschieben. Unsere Interventionszonen sind:

  1. Las Remudas. Gemeindebezirk (municipio) Telde. Gran Canaria,
  2. Vega de San José. Gemeindebezirk Las Palmas de Gran Canaria. Gran Canaria,
  3. Gran Tarajal. Gemeindebezirk Tuineje. Fuerteventura,
  4. Als nächstes soll die Arbeit im Gemeindebezirk von San Bartolomé in Lanzarote beginnen.

Die Intervention startete im April 2002. Dafür wurde zunächst eine institutionelle finanzielle Förderung für drei Jahre bereitgestellt, die auf sechs Jahre erweitert werden kann. Dieser Zeitraum wird als lang genug erachtet, um den Arbeitsprozess zu konsolidieren.

Die Intervention umfasst 13 Handlungsprinzipien, die als unverzichtbar gelten. Folgende Prinzipien sind besonders nennenswert:

  • Die Intervention hat einen ganzheitlichen Charakter.
  • Die Intervention ist unspezifisch.
  • Die Intervention wird als offener und flexibler Bildungsprozess verstanden, der individuelle, gruppenbezogene und gemeinschaftliche Rhythmen respektiert.
  • Die gemeinwesenorientierte Methode ist der zentrale Bestandteil der Intervention. Deshalb müssen Methode und verfolgte Ziele übereinstimmen.
  • In dem Prozess soll die Gemeinschaft (Verwaltung, Sachverständige und Bevölkerung) die Hauptrolle übernehmen.
  • Der Prozess geht von der vorhandenen Situation und den Ressourcen der Gemeinschaft aus.
  • Lehrer vermitteln notwendiges technisches Wissen, das für den Erfolg in einer Gesellschaft benötigt wird, und zwar immer in einem horizontalen gleichberechtigten Verhältnis.
  • Die Koordination von Ressourcen stellt ein durchgängiges Handlungsprinzip dar.

Die verwendeten Methoden entwickeln sich in El Patio auf zwei verschiedenen Interventionsebenen, die sich gegenseitig rückmelden. Die Strategie gründet auf zwei Fundamenten:

  1. Sie beruht auf einem inter-institutionellen, integrativen und teilnahmeorientierten Prozess, der von der Begegnung zwischen öffentlichen Repräsentanten, Sachverständigen und Bürgern getragen wird. Dieser Prozess soll die Arbeit stärken, Risiken dämpfen, Erfahrungen verbreiten und als Forum der Neuformulierung von Sozialpolitik, insbesondere Jugendpolitik, dienen. Die Debatte, die zwischen den Protagonisten dieser Aktion stattfindet, erleichtert deren Einbindung und trägt zur Erfüllung wesentlicher Ziele des Programms bei.
  2. Die Arbeit in den drei vorher erwähnten Interventionszonen ermöglicht eine inter-institutionelle Begegnung. Konkretes Handeln fördert dadurch die Entstehung von Verbindungen und Koordination.

Die beiden Ebenen beziehen sich also einerseits auf die Ebene der direkten Intervention, d. h. die Ebene der lokalen Interventionen im Rahmen der Stadtviertel. Die andere Ebene bezieht sich auf die Ebene der autonomen Regierung. Hier befindet sich eine Beratergruppe, die aus öffentlichen Vertretern, Sachverständigen und Bürgern besteht, die hier alle unter gleichen Bedingungen teilnehmen. Diese Beratergruppe hat als Hauptfunktionen: Information, Beratung und Evaluation. Es handelt sich um eine offene Gruppe, die sich alle sechs Monate trifft.

2 Ebenen der Intervention

Auch die Finanzierung des Programms stellt sich für verschiedene Institutionen als Koordinations- und Einbindungsmöglichkeit heraus. Bisher gibt es fünf Institutionen, die sich bei El Patio engagiert haben:

  • Generaldirektion für Jugend. Kanarische Regierung
  • Generaldirektion für Kinder- und Jugendschutz und Familie. Kanarische Regierung
  • Amt (Consejería) für Bildung, Kultur und Sport. Kanarische Regierung
  • Gemeinderat (Cabildo) der Insel Fuerteventura
  • Gemeinderat (Cabildo) der Insel Gran Canaria

Die administrative und wirtschaftliche Verwaltung erfolgt durch die Kanarische Stiftung für Jugend (Fundación Canario de Juventud, IDEO), welche über eine entsprechende juristische Berechtigung (capacidad jurídica propia) verfügt und von der kanarischen Regierung finanziert wird.

3. Die Arbeit in den Interventionszonen

Wie schon erwähnt, besitzt unsere Arbeit eine klare gemeinschaftsorientierte Ausrichtung, die von der Arbeit mit Jugendlichen und Schulen ausgeht. In vielen Wohnvierteln der Kanaren herrscht ein Mangel an wichtigen Ressourcen. Deshalb ist es erforderlich, dass die Schule ihre Bedeutung als gemeinschaftlicher Raum und Mittelpunkt des Gemeinschaftslebens wiedererlangt. Aus diesem Grund ist es unverzichtbar, eine Arbeit von der Schule aus zu planen. Weiterhin ist es wichtig, auf die von Lehrern geäußerte Forderung nach besseren sozialen Beziehungen an der Schule eine Antwort zu geben.

Wie ebenfalls vorher erwähnt, steht die dabei verwendete Methode im Zentrum der Intervention. Dieses Prinzip setzt Organisationsformen und Instrumente voraus, die in der Praxis bestätigt und anschließend reflektiert werden sollen. Damit sollen die generierten Veränderungsprozesse innerhalb der Schule mit Hinsicht auf Partizipation und Beziehungen zwischen Personen, Gruppen und Gemeinschaft gefördert werden. Die Methode gründet auf drei wesentlichen Säulen:

  • auf dem methodenbezogenen Ansatz von Marco Marchioni, der innerhalb des Programms bezüglich der gemeinschaftsbezogenen Intervention als Berater tätig ist;
  • auf der informellen Bildung - oder auch Bildung auf der Straße - und Jugendarbeit unter Berücksichtigung der Sichtweise der Jugendlichen selbst; es handelt sich um eine horizontale, offene und flexible Perspektive;
  • auf der Teamarbeit, von der die Praxis lehrt, dass sie die wichtigste Arbeitsmethode ist. In jeder Interventionszone haben wir ein Team, das aus einer verantwortlichen Person und zwei Streetworkern besteht. Sie erfüllen spezifische und unspezifische Funktionen. Sie beabsichtigen, Jugendliche nicht zu belehren oder zu ermahnen, sondern unter Berücksichtigung der existierenden Beziehungsdynamiken Inhalte zu vermitteln. Es soll eine Situation geschaffen werden, in der Veränderungen in Zusammenhang mit der eigenen oder gruppenbezogenen Entscheidungskraft möglich sind. Dafür braucht man ein Team, das empathisch ist, eine Verbindung zu den Jugendlichen herstellen und gleichwertige Beziehungen mit ihnen aufbauen kann.

Die Arbeit verfügt über zwei unterschiedliche Handlungsansätze: 3.1 die spezifische Arbeit und 3.2 die unspezifische Arbeit.

3.1 Spezifische Arbeit

Wir nennen spezifische Arbeit diejenige Tätigkeit, welche auf direkte oder indirekte Weise mit Jugendlichen und aus der Position von Jugendlichen heraus unternommen wird. Dabei berücksichtigen wir drei verschiedene Interventionsbereiche:

  • Schulen
  • Jugendliche: Straße und Freizeit
  • Familie

Eine wichtige Arbeitsmethode der spezifischen Arbeit ist, Begegnungen zwischen Jugendlichen zu ermöglichen. Erwartet wird, dass durch die Qualität der Begegnung und die Art und Weise, wie sie sich entwickelt, ein dynamischer Veränderungsprozess in Gang gebracht wird. Die Planung neuer Aktivitäten soll eine freiwillige Begegnung zwischen Jugendlichen ermöglichen. Durch diese Arbeitsmethode sollen Gruppenbildung, Eigenständigkeit (protagonismo) und Motivation gefördert werden. Diese Prozesse sollen im Rahmen von Freizeit, Kultur und Sport und außerhalb der obligatorischen Schulbildung (ámbito extraescolar) stattfinden.

Jugendliche werden nicht gezwungen, sich an diesem Prozess zu beteiligen. Das Aktivitätsangebot und die Personen, welche diese Aktivitäten realisieren, sollen attraktiv sein und dadurch junge Leute anziehen, indem sie ihre Neugierde und das Bedürfnis, einander näher zu kommen, ansprechen.

Aktivitäten sollen auf jeden Fall für jeden Jugendlichen, der daran teilnehmen möchte, offen sein. Die Vorbereitung, Organisation und Realisierung der Aktivitäten sollte möglichst viele junge Menschen miteinbeziehen. Im Laufe der Zeit sollten Jugendliche selbst die Hauptrolle hinsichtlich der Organisation dieser Aktivitäten übernehmen.

Die Arbeit orientiert sich am Aufbau von teilnahmeorientierten Prozessen zusammen mit Jugendlichen. Dabei wird von einem Partizipationsmodell ausgegangen, das auf den Prinzipien der Freiheit, Flexibilität und Pluralität gründet.

Obwohl unser Programm im Rahmen der Schule geplant ist, ist es offensichtlich, dass eine Intervention den weiteren Kontext im Auge behalten muss: das Wohnviertel, die Gemeinschaft. Aus diesem Grund dürfen wir uns nicht darauf beschränken, nur zu warten, dass Jugendliche selbst die Initiative ergreifen und sich den Bildungseinrichtungen nähern. Viele von ihnen werden am Anfang nicht ausreichend Motivation aufbringen können. Die Schule darf keine Barriere darstellen. Deshalb streben wir gleichzeitig eine Intervention auf der Straße selbst an. Dadurch soll der erste Kontakt mit den Jugendlichen hergestellt werden, der sie langsam dazu bringen soll, sich selbst in den Prozess einbinden zu wollen. Dieser Prozess soll durch eine vertraute Beziehung zwischen Jugendlichen und Jugendsozialarbeitern in Gang gebracht und anschließend unterstützt werden. Anhand dieser Beziehung wird der Jugendsozialarbeiter in der Lage sein, u.a. die Gruppenführer, Verhaltensnormen, Beziehungen, Räume und Motivationen innerhalb der Gruppe identifizieren zu können.

Die Umsetzung des Programms auf der Straße findet abends bzw. nachts statt. Während der anfänglichen drei Monate wurde die Arbeit durch bestimmte Aktivitäten auf der Straße unterstützt (Kino, Jonglieren, Akrobatik, Perkussion, Handarbeitsworkshops usw.). Das hat einen spontanen Kontakt zu den Jugendlichen begünstigt.

Informelle Kommunikation stellt im Blick auf Jugendliche und aufgrund der erwünschten sozialen Beziehungen eine grundlegende pädagogische Methode dar. Wir gehen davon aus, dass diese Art von Kommunikation Vorteile gegenüber der traditionellen Kommunikation im Rahmen der obligatorischen Bildung besitzt. Eine gewöhnliche Sprache, der konkrete Kontakt, Gefühle, Humor, Spiel usw. sind Arbeitsmethoden, die hinsichtlich unserer Aktivierungsarbeit sehr bedeutungsvoll sind.

Wir haben festgestellt, dass die interne Dynamik des Arbeitsteams einen direkten Einfluss auf die Beziehungsdynamik der Jugendlichen hat. Deshalb ist es wichtig, nicht zu vergessen, dass man in eine direkte Interaktion verwickelt ist. Das heißt, wenn das Team selbst teilnahmeorientiert ist und positive Beziehungen unter den Mitgliedern zeigt, so hat das einen Ansteckungs- bzw. Nachahmungseffekt für junge Leute.

3.2 Unspezifische Arbeit

Wir bezeichnen als unspezifische Arbeit denjenigen Arbeitsansatz, der sich auf die Gemeinschaftsarbeit oder Intervention bezieht. Diese Grundmethode geht vom gemeindeorientierten Arbeitsansatz von Marco Marchioni aus, der in drei große Blöcke unterteilt werden kann.

3.2.1 Die Koordination von Ressourcen

Wir befinden uns gegenwärtig in einer Phase, in der wir die Ressourcen von jeder einzelnen Interventionszone mobilisieren. Wir können dabei große Fortschritte feststellen. Um unsere Ziele zu erreichen, haben wir in einer der Zonen ein Entwicklungsteam gebildet, das aus privaten Ressourcen und sozialen Dienstleistungen des Gemeindebezirks (ayuntamiento) unterstützt wird, zusammen mit dem Arbeitsteam von El Patio arbeitet und sich regelmäßig trifft. Dieser Prozess wurde auch in einer anderen Zone in Gang gebracht, aber diesmal unter Berücksichtigung der Bildungsressourcen. Die Mitglieder dieser Gruppe treffen sich einmal im Monat und diskutieren hauptsächlich Themen in Zusammenhang mit den sozialen Beziehungen an der Schule und dem außerschulischen Bereich. Als methodologisches Instrument zur Realisierung dieses Prozesses haben wir die Theorie der drei konzentrischen Kreise von Marchioni verwendet.

Weitere methodologische Aspekte zur Entwicklung des Koordinationsprozesses:

  • Die Koordination arbeitet nicht ehrenamtlich. Für diese Arbeit werden zusätzliche Professionelle aus den verschiedenen sozialen Einrichtungen eines Stadtteils einbezogen; Mitarbeiter, die in diesem Bereich arbeiten und die Aufgabe haben, Ressourcen für diesen Prozess zu gewinnen, werden dafür mit einigen Arbeitsstunden freigestellt.
  • Die Koordination betrifft den Bereich der Ressourcen und nicht der Bürger.

3.2.2 Forschung, Information und Dokumentation

Forschung, Information und Dokumentation stellen eine wichtige Arbeit dar. Durchgeführt werden Untersuchungen zur Partizipation. Deren Ergebnisse sollen dazu beitragen, eine gemeindeorientierte Aktion in diesem Kontext und eine Selbstreflexion bei Jugendlichen zu fördern.

Die Ergebnisse der Forschung werden in der Regel veröffentlicht, um eine Verbreitung und Rückmeldung der Informationen zu ermöglichen. Auf diese Weise wollen wir die Gemeinschaft hinsichtlich unserer Arbeit auf dem Laufenden halten. Das Team soll sich mit der Zeit als legitimer Informant präsentieren können. Dadurch soll ein Dokumentations- und Informationszentrum entstehen, das jeder Person oder Institution, auch in verschiedenen Sprachen, zugänglich sein soll.

Mit anderen Worten, die durch den Prozess entstandenen Kenntnisse werden systematisch aufbereitet und zugänglich gemacht. Diese Information wird je nach Notwendigkeit und Informationsplan und unter Berücksichtigung der Drei-Kreise-Theorie weitergeleitet.

Der Informationsplan wird als Schlüsselelement der Arbeitsmethode betrachtet. Dennoch reicht Information alleine nicht aus, um teilnahmeorientierte Prozesse anzutreiben. Deshalb gibt es den Informationsplan, der auf drei Ebenen gründet und in Zusammenhang mit drei weiteren inhaltsbezogenen Dimensionen steht. Dabei werden drei informationsbezogene Hypothesen formuliert:

Ein Karteiordner und ein Gemeinschaftsplan sind die Instrumente, welche die Gestaltung des Informationsplans unter Berücksichtigung der Theorie der drei Kreise unterstützen sollen. Der Karteiordner enthält Karteien von Personen, Organisationen, Institutionen und bestehenden Treffpunkten innerhalb der Gemeinde. Der Gemeinschaftsplan informiert über deren Lokalisierung im konkreten Territorium. Mittels Karteiordner und Gemeinschaftsplan können Ansatzpunkte identifiziert und Strategien entwickelt werden, wie gemeinschaftlich zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt werden können.

Arbeitszeiten und Terminkalender des Programms müssen sich der verfügbaren Zeit und den Tages- und Wochenrhythmen der Bevölkerung anpassen. Ansonsten entwickeln sie sich zu Partizipationsbarrieren. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter des Projekts besonders abends und nachts und an Feiertagen beschäftigt sein werden. Mitarbeiter müssen demzufolge über flexible Arbeitszeiten verfügen, um sich jederzeit an die Notwendigkeiten des Projekts anpassen zu können. Schüler sind im Laufe des Jahres hauptsächlich von drei wichtigen sozialen Ereignissen betroffen: Weihnachtsferien, Osterferien und Sommerferien. Diese Feierlichkeiten haben einen erheblichen Einfluss auf die Aktivitäten im Rahmen des Interventionsprozesses.

3.2.3 Potenzierung der Partizipation

Eine Stärkung der Partizipation und die Schaffung neuer Partizipationskontexte beschränken sich zur Zeit auf eine direkte Arbeit mit den Jugendlichen und deren Eltern. Dabei sollen Begegnungsmöglichkeiten im Bereich der Freizeit und neue Partizipationsmöglichkeiten geschaffen werden. Auf diese Weise wurde die Arbeit mit den Müttern der Jugendlichen aufgenommen. Der Zugang zu ihnen wurde durch die Beziehung der Mütter zu den Bildungsbeauftragten und durch Workshops ermöglicht.

Schließlich wollen wir die Funktion der Systematisierung, Dokumentation und Evaluation hervorheben. Bei diesen Verfahren wird versucht, alle Beteiligten mit einzubeziehen. Dieser Prozess steht uns noch bevor. Für diese Aufgabe haben wir eine Person im Team, die sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt.

Die Evaluation des Programms wird unabhängig von der Evaluation jedes einzelnen Projektes geplant. Mit diesem Ziel wird ein Grundschema erstellt, das später zusammen mit allen Beteiligten differenziert ausgearbeitet werden soll. Weiterhin ist eine externe Evaluation durch ein Expertenteam vorgesehen. Ein Faktor, der den Evaluationsprozess begünstigen soll, ist die Systematisierung. Diese soll Einblicke in den Verlauf des Arbeitsprozesses ermöglichen.

Es fällt uns schwer, unsere bisherige Arbeit anhand einiger weniger Beispiele zusammenzufassen. Wir haben in diesem Beitrag in erster Linie unseren Arbeitsansatz vorgestellt, weniger unsere täglichen Schwierigkeiten, die wir mit unseren Mitteln und Möglichkeiten zu lösen versuchen. Wir sind jedoch überzeugt, dass unsere Arbeit durch den offenen Dialog ohne Zweifel bereichert werden kann.


Fußnoten

[1] Übersetzung: Aiga von Hippel, Kerstin Hein und Christian Reutlinger.

[2] "[...] eine Bildungsreform: die LOGSE (Ley general obligatorio para el Systema Educativo, Das allgemeine obligatorische Schulgesetz, welches 1990 im Parlament angenommen wurde). Die LOGSE wollte vor allem zwei Dinge: (1.) Die Anhebung des obligatorischen Schulalters (von 14 auf 16 Jahre) und auf diese Weise der Jugendarbeitslosigkeit vorbeugen; (2.) wollte man, dass die FP zur wirklichen Bildungsalternative neben der Universität wird, zu einem Element zur Verbesserung der Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Man machte für die einen Schüler eine Berufsausbildung (FP1), und für die anderen eine obligatorische Oberstufe (enseñanza secundaria obligatoria ESO) und eine zweite Berufsausbildung mit Berufsmatura (FP2)" (Reutlinger 2001, S. 292; Einfügung: C.R.).

Der vorliegende Text ist 2007 im Sammelband Christian Reutlinger, Wolfgang Mack, Franziska Wächter, Susanne Lang (Hrsg.): „Jugend und Jugendpolitik in benachteiligten Stadtteilen in Europa" beim VS-Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden (Seiten 237-258) unter dem gleichnamigen Titel erschienen.


Zitiervorschlag

Antonio Santana Miranda: El Patio: Bildungsstätten als gemeinschaftliche Ressource. In: sozialraum.de (2) Ausgabe 2/2010. URL: http://www.sozialraum.de/el-patio-bildungsstaetten-als-gemeinschaftliche-ressource.php, Datum des Zugriffs: 27.05.2017

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